Responsive image

New North

Karl Seglem

Ozella/In-Akustik
(57 Min.) 1 CD

Warum immer Laptops und Computerprogramme die ganze Arbeit machen lassen? Es gibt auch andere Möglichkeiten, unerhörte Sounds zu generieren. Etwa, indem man in Blasinstrumente aus Ziegenhorn pustet. Oder auf einem Stück Birkenholz herumtrommelt. All das und noch mehr hört man auf "New North", der ersten Visitenkarte, die der Norweger Karl Seglem in Mitteleuropa abgibt. Seit zwölf Jahren arbeitet der Tenorsaxofonist an einer Mixtur aus nordischer Folklore und Jazz; er stieg dafür in Archive und stieß auf wunderliche alte Weisen und Kirchenhymnen. In seinem Heimatland hat Seglem schon eine Vielzahl von Platten auf seinem eigenen Label veröffentlicht. Ein erstaunliches Œuvre, von dem man außerhalb Norwegens noch kaum Notiz genommen hat.
Mit "New North" sollte sich das ändern. Die CD ist gewissermaßen ein Best-of von Seglems bisherigem Schaffen. Man merkt es der Kompilation schon ein bisschen an. Sie besteht, grob gesagt, aus zwei Teilen. Der erste, mit Aufnahmen neueren Datums, taucht in instrumentale Klangwelten ein, die sich dem norwegischen Elektro-Jazz der vergangenen Jahre verwandt zeigt - ohne freilich wie eine bloße Nachahmung von Bugge Wesseltoft und Co. zu erscheinen. Hier dominiert Seglems hymnisches, Jan Garbarek zitierendes Saxofonspiel. Der zweite Teil besteht aus Vokal-Nummern, die auf dem traditionellen Folklore-Erbe Norwegens basieren. Und das ist schon recht überraschend. Ob es nun an Odd Nordstogas Stimme liegt, die stark an Sting gemahnt, oder an den Arrangierkünsten Seglems: die Stücke aus einer vergangenen Zeit wirken wie Pop-Nummern für die Gegenwart. Doch, dieser alte Norden ist eine Entdeckung.

Josef Engels, 05.06.2004



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top