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Johann Sebastian Bach

Weimar Cantatas Vol. 2

Emma Kirkby, Michael Chance, Charles Daniels, Peter Harvey, The Purcell Quartet

Chandos/Codaex CHAN 0742
(71 Min., 10/2005) 1 CD

Die Besetzungsliste dieser CD stimmt im Großen und Ganzen eigentlich erwartungsfroh: Bei "The Purcell Quartet" im Zusammenhang mit "Bach" fällt einem vielleicht die wahrhaft großartige Einspielung der vier lutherischen Kurzmessen durch dasselbe Ensemble ein. Der Bassist Peter Harvey, der bei jener Einspielung auch dabei war und sich außerdem in den bisher erschienenen Teilen von Gardiners "Cantata Pilgrimage" endgültig als vorzüglicher Bachsänger etabliert hat, verheißt hohes vokales Niveau, ebenso wie auch Emma Kirkby, die, obwohl in die Jahre gekommen, bis jetzt immer noch gute Qualität liefert. Misstrauisch werden lässt allerdings der Name Michael Chance: Einst ein brillanter Bachsänger (man denke an Gardiners h-Moll-Messe!), leidet er doch mittlerweile schon seit vielen Jahre unter einer dauerhaften Ermüdung seines Stimmmaterials. Und genau dies ist leider auch einer der Hauptkritikpunkte an der vorliegenden CD: Besonders die erste Arie der wundervollen Kantate "Komm, du süße Todesstunde" (BWV 61) kommt aufgrund der Mattigkeit von Chances Countertenor gar nicht optimal zur Geltung; Einbußen gibt es in puncto Prägnanz der Gesangslinie im Gesamtgeschehen (Chances Fokussierungsfähigkeit ist beeinträchtigt), teils in puncto Geschmeidigkeit der Linienführung und auch hinsichtlich der Textverständlichkeit, denn auch die Vokale erlangen bei Chance aufgrund der genannten Schwäche nicht mehr die nötige Klarheit. Für ihn, das ist leider eindeutig, hätte diese Aufnahme 20 Jahre früher kommen müssen. Probleme gibt es darüber hinaus aber auch von unerwarteter Seite: Das Purcell Quartet spielt nicht immer intonationsrein, auffällig besonders in der Arie "Mein Seelenschatz ist Gottes Wort", wo die hohen Streicher im Unisono geführt sind und dabei leider deutlich divergieren. Bedauerlich ferner, dass der Tenor Charles Daniels nicht eine ähnlich bezwingende rhetorisch-musikalische Kompetenz aufzubringen vermag wie etwa sein Landsmann James Gilchrist (der auch in Gardiners "Cantata Pilgrimage" brilliert). Emma Kirkby und Peter Harvey präsentieren sich im Vergleich dazu sehr solide, wenn auch nicht wirklich überragend ... Schade, dieses Projekt vermag wirklich bei Weitem nicht das zu halten, was es verspricht.

Michael Wersin, 21.07.2007



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