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Dmitri Schostakowitsch

24 Präludien und Fugen

Konstantin Scherbakow

Naxos 8.554745-46
(6/1999) 2 CDs

Vor fast zehn Jahren ist die letzte halbwegs gelungene Aufnahme von Schostakowitschs Bach-Hommage erschienen. Von Keith Jarrett, der zunächst das "Wohltemperierte Klavier" erkundete, um sich dann mit ähnlich analytischem Spiel dem Präludien- und Fugen-Zyklus zu nähern, den Schostakowitsch 1951 vollendete.
Konstantin Scherbakow benötigt eine solche Vorarbeit nicht. Denn im Gegensatz zu Jarrett sieht er in Schostakowitsch nicht den Bachianer, der sich von Bach nur ein wenig absetzte, indem er die Dur- und Moll-Paarungen entlang des Quintenzirkels abhandelt und nicht in chromatischer Abfolge. Scherbakow zeigt denn auch an den thematisch-motivischen Kunstfertigkeiten als akademische Fingerübung wenig Interesse. Stattdessen löst er die Klammern dieser Musik-Architektur, zugunsten von Linienführungen, die plötzlich eine ungeheure Kantabilität besitzen. Scherbakow lässt der lyrischen Eindringlichkeit ausreichend Platz, um dann wieder den für Schostakowitsch typisch sarkastischen Tonfall schneidend anzugehen.
Die eigentliche Leistung besteht aber darin, dass Scherbakow die strukturellen Finessen nie vernachlässigt. Die komplexen Verschachtelungen strotzen nur so vor kontrastreichem Elan und Farbigkeit, was den Fugen eine kurzweiliges, spannungsgeladenes Profil zurückgibt. Und selbst die Präludien werden hier in ihrem bisweilen querköpfigen Harmonieverständnis zu exemplarischen Gradmessern der Kunst Schostakowitschs. Es wundert einen nach Scherbakows Interpretation daher kaum, dass Schostakowitsch mit diesem Werk beim sowjetischen Komponistenverband auf wenig Gegenliebe stieß.

Guido Fischer, 22.02.2001



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