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Dmitri Schostakowitsch

Die Hinrichtung des Stepan Rasin op. 119, Oktober op. 131, Fünf Fragmente op. 42

Charles Robert Austin, Seattle Symphony Chorale, Seattle Symphony, Gerard Schwarz

Thorofon/Bella Musica CTH 2531
(73 Min., 7/2005) 1 CD

Zwar verfügt der amerikanische Bariton Charles Robert Austin nicht über eine wirklich außergewöhnlich timbrierte, ganz unmittelbar faszinierende Ausnahmestimme - aber dennoch ist seine Interpretationsleistung auf dieser CD als durchaus beachtlich anzusprechen: Er gestaltet die große Solo-Partie in Schostakowitschs Kantate "Die Hinrichtung des Stepan Rasin" op. 119 sehr engagiert und differenziert mit einer nicht eben kleinen Palette an Farben und Ausdrucksnuancen. Eine rohe, brutale Musiksprache prägt dieses Werk, das 1964 auf ein Gedicht von Jewgenji Jewtuschenko komponiert wurde. Es handelt von Stepan Rasin, einem Aufständischen aus dem 17. Jahrhundert, der gefangengenommen und gefoltert wurde; eine zwiespältige Rolle spielt das ebenfalls zu Wort kommende Volk, das zwar einerseits unter dem Zarenregime leidet, andererseits aber auch den späteren Volkshelden bespuckt und verspottet. Schostakowitsch thematisiert auf historischer Grundlage freilich einmal mehr die Umstände im damaligen Russland, dass 1964, kurz nach Chruschtschows abtreten, zwar seine Bürger nicht mehr permanent bedrohte, aber immer noch alles andere als ein Paradies für kritische Intellektuelle war. Entsprechend aufwühlend und gleichzeitig karg fiel die teilweise primitiv folkloristische Kantate aus; sie ist ein großartiges Stück des weniger bekannten Schostakowitsch und gleichzeitig ein aussagekräftiges Zeitdokument, auf orchestraler Ebene prachtvoll energiegeladen und packend dargeboten vom Seattle Symphony Orchestra unter Leitung von Gerard Schwarz.

Michael Wersin, 27.07.2006



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