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Johann Sebastian Bach

Kantaten BWV 147, 82 u. 1

Monika Mauch, Matthew White, Charles Daniels, Stephan MacLeod, Montréal Baroque, Eric Milnes

Atma SACD2 2402
(71 Min., 6/2006) 1 CD

Eine dritte Folge mit Bachkantaten aus kanadischer Produktion, realisiert mit einem guten bis sehr guten Ensemble kanadischer, englischer, amerikanischer und deutscher Provenienz. Eric Milnes gehört aufführungspraktisch zu den Minimalisten und besetzt daher die Chöre gesangssolistisch bei einem Streichercorpus von je drei Violinen, je zwei Bratschen und Celli sowie einem Bass. Überaus fetzig kommt ein Eingangschor wie derjenige aus "Herz und Mund und Tat und Leben" (BWV 147) mit einem solchen kleinen, aber hochpotenten Ensemble daher; locker-virtuos und doch auch kraftvoll-strahlend agieren hier die vier Vokalisten, Großartiges leistet auch der Trompeter Niklas Eklund. So erfreulich könnte es weitergehen – wenn nicht der Dirigent die rhythmische Gestaltung vieler der Arien an englischen Rethoriklehren des 18. Jahrhunderts (dies erklärt im Beiheft der Musikwissenschaftler Bruce Haynes) orientieren würde – ein zweifelhaftes Unterfangen, das durch ein offenbar an die Interpunktionszeichen des Textes angepasstes Zögern und Beinahe-Pausieren an vielen Stellen innerhalb der Stücke Rhetorik hörbar machen soll. Wo bleibt bei soviel Zaudern und Zockeln der musikalische Fluss? Man kann sich Vorstellen, dass die Interpreten selbst beim Spielen das Gefühl hatten, unheimlich gestisch und aussagekräftig zu musizieren – aber der Hörer barocker Werke möchte eigentlich nicht diesen ständig stockenden Pulsschlag erleben. Sehr fragwürdig, diese Theorie und ihre Umsetzung. Dabei leisten die Sänger an sich eigentlich Vortreffliches: Stephan MacLeod bietet die schwierige Solokantate "Ich habe genug" (BWV 82) sehr klangschön und technisch souverän, wenn auch für den Geschmack des Rezensenten stimmlich etwas zu wenig vordersitzig – ein Problem, das auch die Leistung der ansonsten fabelhaften Monika Mauch hier und da etwas trübt. Angenehm körperhaft und dabei doch beweglich schließlich der Gesang von David Daniels. Insgesamt also eine durchaus empfehlenswerte Produktion mit dem Wehrmutstropfen der genannten merkwürdigen rhetorisch-musikalischen Idee.

Michael Wersin, 27.08.2007



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