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Johann Sebastian Bach

Das Wohltemperierte Klavier

Edwin Fischer

Membran Music 221535-348
(233 Min., 1933-1936) 32 CDs, 32 78-er LPs

Auf nicht weniger als 32 78er-LPs erschien seinerzeit diese erste Gesamteinspielung von Bachs "Wohltemperierten Klavier" (Teil 1 und 2), entstanden in den Jahren 1933-36. Sie zählt zum künstlerischen Vermächtnis Edwin Fischers (1886-1960, ein Schweizer deutsch-böhmischer Abstammung) und spiegelt eine besonders vor dem Hintergrund ihrer Zeit durchaus interessante Interpretationshaltung wider: Zwar legt Fischer seine Wiedergabe polyfoner Satzstrukturen mit dynamischen wie artikulatorischen Mitteln streckenweise durchaus "dramatisch", oft geradezu "szenisch" (im Sinne eines effektvoll verlebendigten Miteinanders der einzelnen Stimmen) an, aber andererseits hält er sich doch mit Romantizismen stark zurück, bemüht sich also um eine im Grundduktus vergleichsweise nüchterne Umsetzung. Ein vor dem Hintergrund der Bach-Interpretationsgepflogenheiten jener Zeit bemerkenswertes Maß an Objektivität ist die Folge, zumal Fischer auch mit den virtuosen Elementen – man höre z. B. das D-Dur-Präludium des ersten Teils – angenehm unprätentiös umgeht. "Nicht ich spiele, sondern es spielt", soll Fischer einmal über seine Bachdarbietungen gesagt haben. Freilich konnte er noch keinen historisierenden Zugang zu dieser Tonsprache haben, weshalb viele Motive für heutige Ohren "gegen den Strich gebürstet" (nicht aus ihrem rhetorisch-musikalischen Potential heraus erfasst) erscheinen. Dennoch hat seine Leistung für die Nachwelt nicht ausschließlich historischen oder etwa gar nostalgischen Wert, sondern vermag auch dem Hörer der Gegenwart noch manches zeitlos Gültige über Bachs Musik zu vermitteln.

Michael Wersin, 31.08.2007



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