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Johann Sebastian Bach

Tombeau de Sa Majesté la Reine de Pologne; Messe BWV 234

Katharine Fuge, Carlos Mena, Jan Kobow, Stephan MacLeod, Francis Jacob, Ricercar Consort, Philippe Pierlot

Mirare/harmonia mundi
(78 Min., 10/2006) 1 CD

Es gibt zwei Seiten des Abschiednehmens. Entweder man gibt sich dem schmerzhaften Verlust ohne Wenn und Aber hin. Oder man richtet sich in der Stunde der Trauer an den Erinnerungen so weit auf, dass sie zu Seelenbalsam werden. Genau auf dieses tröstende Echo hat nun auch das Ricercar Consort bei seiner rekonstruierten Abschiedsfeier gesetzt, die am 17. Oktober 1727 in der Leipziger Universitätskirche St. Paul stattfand. Zu Ehren der Kurfürstin von Sachsen und Königin von Polen Christiane Eberhardine, die im Gegensatz zu ihrem Gatten August II. am lutherischen Glauben festgehalten hatte. Unter der künstlerischen Leitung von Johann Sebastian Bach erklang auch die für diesen Anlass entstandene Trauerode "Lass Fürstin, lass noch einen Strahl" BWV 198 auf einen Text von Johann Christoph Gottsched. Und da allein im Schlusschor "Doch Königin, du stirbst nicht" die Hoffnung allgegenwärtig ist, erklingt er jetzt trotz des würdevollen Ausdrucks leicht und beschwingt. Statt tonnenschwerer Leidensmine, wie sie sogar ein Ton Koopman noch mit großem Chor aufsetzen ließ, stecken in der nun schlanken und ausgeglichen klangschönen Einspielung dieses letzten Epitaphs die nötigen Glücksmomente. Dank der vier Sängersolisten sowie der in Rhetorik und Artikulation stilsicher agierenden Instrumentalisten. Ob diese lutherische Messe mit dem eröffnenden Orgelpräludium h-Moll BWV 544, der Trauerode, dem Choral-Präludium "Herzlich tut mich verlangen" BWV 727 sowie der abschließenden Orgelfuge BWV 544 tatsächlich so ablief, ist zwar nicht in Gänze dokumentiert. Aber dieser Lösungsvorschlag ist in seiner dramaturgischen wie dramatischen Einrichtung so plausibel wie seine auch kontemplative, aber eben nicht düstere Umsetzung. Vorangestellt hat Dirigent Philippe Pierlot diesem "Tombeau de Sa Majesté la Reine de Pologne" zudem die Messe BWV 234. Und sie kommt in ihrer ausgewogenen Agilität und sensibel ausgeleuchteten Emotionalität schon einem kleinen Bach-Wunder gleich.

Guido Fischer, 14.09.2007



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