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Jean Sibelius

Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 43

Concertgebouw-Orchester Amsterdam, Mariss Jansons

RCO/Codaex 05005
(44 Min., 6/2005, 8/2005, 9/2005) 1 CD

Vier über drei Monate verteilte Konzerte benötigte Mariss Jansons mit dem Royal Concertgebouw Orchestra, bis sich endlich die Idealfassung von Sibelius' 2. Sinfonie am Schneidetisch zusammenbasteln lassen konnte (dem Sibelius-Fan und begeisterten Tonschnipsel-Komponisten Glenn Gould hätten diese Produktionsbedingungen gefallen). Nun gut: Man weiß nicht, was im Amsterdamer Concertgebouw an den vier Abenden vorgefallen ist - ob nun Hustkanonaden oder Programmheftgeraschel das Live-Erlebnis geschmälert haben. Aber der 1902 entstandene Viersätzer ist eigentlich kein so tonnenschwerer Brocken à la Mahler, bei dem man sich leicht verheben könnte. Jedenfalls liegt jetzt ein Mitschnitt aus einem Guss vor, bei dem der Lette Jansons in bester Tradition des Dirigenten-Kollegen Gennadij Roshdestwenskij den Finnen Sibelius noch einmal zum Enkel des Europäers Tschaikowsky macht. Und dies mit aller Klarheit und Prägnanz, die jeden potentiellen Pathos-Stau und jede nebulöse Wühlerei in die Schranken verweisen.
Genüsslich und Grieg-haft sanft geht es gleich im Kopfsatz zu, bevor langsam, aber wirkungsvoll der episodische Charakter auf seine Themen- und Motiv-Kombinatorik abgeklopft und abgetastet wird. Das ist dann so klangselig wie tiefendimensioniert, blitzen die Blechbläser mit geradezu Bruckner'schen Wonne auf (Allegro moderato), während die Streicher sich auch da schlank und elegant zeigen, wo die pure Schwelgerei in hymnischen Breitwandsounds umzukippen droht. Natürlich ließe sich unter dem Strich einwenden, dass Jansons aus der Zweiten von Sibelius vielleicht doch allzu sehr eine imaginäre Siebte Tschaikowskys herausgearbeitet hat. Aber wenn es so plausibel im Expressiven wie in der durchhörbaren Organik geschieht, kann man dagegen nicht viel sagen.

Guido Fischer, 30.06.2006



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