Live im Backstage

FranckBand

Prima Platte/www.franckband.de
(69 Min., 11/2002, 9/2003) 1 CD

Wenn nicht alles täuscht, verbirgt sich hinter Hinrich Franck die Antwort des deutschen Jazz auf Woody Allen. Es gibt hierzulande keinen Improvisator, der seine vermeintlichen Komplexe derart offen in Musik verwandelt wie der Kölner Keyboarder, Komponist, Beinahe-Sänger und Hochschuldozent. Der Ich-Erzähler in seinen Texten ist bejammernswert alt, erschreckend erotoman und bei allen unbeliebt. Selbst der Herrgott mag ihn nicht in den Himmel aufnehmen. Denn: "Hier kommen nur Jazzer rein, die vor allen Dingen - schwingen!" Blöd. Denn mit Mainstream-Swing hat Franck wahrlich nichts im Sinn.
Immerhin hat man ihn und seine Band in den Fuldaer Club "Backstage" gelassen, wo das Quartett im November 2002 eines seiner ziemlich wahnwitzigen Konzerte gab. Das tut die FranckBand schon seit 14 Jahren, aber - leider, leider - gilt sie immer noch bloß als Geheimtipp unter humorgestählten und funkaffinen Jazz-Outlaws. Das könnte sich langsam ändern. Legte die Gruppe früher gewitzt abstruse Fusion-Persiflagen hin, hat sie sich mittlerweile für klare Grooves, eingängige Eigenkompositionen und brillant bescheuerte Interpretationen bekannten Liedguts entschieden. Kurt Weills "My Ship" klingt bei den Kölnern wie ein seltsames Zusammentreffen von Kurt Cobain und Rio Reiser, Stevie Wonders "Isn’t she lovely" verwandelt sich in "Mann, bist du hässlich", und "Kiss" von Prince schließlich wird in einer eingedeutschten Derb-Version zur Gala-Nummer für den treuesten Fan der FranckBand. Es handelt sich dabei um niemand Geringeren als Anke Engelke, die in Fulda ein ganzes Set samt Zugabe mit Hinrich Franck, Wunder-Bassist Claus Fischer, Gitarrist Werner Neumann und Schlagwerker Danny Schröteler auf der Bühne verbrachte. Und ja: Die Queen of Comedy und die Kings of Anarcho-Jazz-Funk passen blendend zusammen.

Josef Engels, 17.01.2004



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