The Candy Man

Louis Hayes-Quintet


TCB/In-Akustik 20972
(62 Min., 11/1999) 1 CD

Wer heute an das Ende der fünfziger Jahre zurückdenkt, dem fallen sicher die großen Formationen von Horace Silver, Art Blakey oder Donald Byrd ein. An deren Erbe knüpft der Schlagzeuger Louis Hayes mit seinem Quintett an. Die zehn Nummern atmen jene Soul, die damals viele Aufnahmen prägte, und die Kommunikation in der Band wirkt so traumwandlerisch sicher, wie dies nur nach einer längeren Periode gemeinsamer Auftritte möglich ist. Andererseits bleibt eine gewaltige Lust am spontanen Improvisieren spürbar, so dass jedes Solo Überraschungen für die Mitspieler in sich zu bergen scheint.
Mit dem Tenoristen Abraham Burton und dem Trompeter Riley Mullins hat Hayes zwei exzellente Bläser dabei, die in der Tradition des Hard Bop stehen und doch recht eigenständig wirken. Riley Mullins beeindruckt vor allem durch knappe, scharf akzentuierte Töne, während an Burton vor allem fasziniert, wie selbstbewusst und druckvoll er sich in weit geschwungenen Linien fortbewegt. Andererseits bläst er die Ballade "The Miracle" so gefühlvoll, dass man sich daran gar nicht satt hören kann.
Santi DeBriano am Bass und der Pianist Dave Hazeltine bilden mit dem Bandleader eine energisch zupackende Rhythmusgruppe, aus der jeder zu eigenen, prägnanten Soli ausbrechen kann. Drei Titel stammen von den Bandmitgliedern selbst. Sie stehen den sieben Titeln aus der Feder von Horace Silver, Lee Morgan und anderen in nichts nach. Ohne zu historisieren, erhält dieses Quintett auf "Candy Man" das Beste aus der Tradition des Soul Jazz lebendig.

Werner Stiefele, 31.05.2001


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Dieser Mann ist ein Phänomen: Nicht erst seit der Film "Pianomania" Einblicke in die verfeinerte, ja zuweilen heikle Klangästhetik Pierre-Laurent Aimards gab, dessen Vorstellungen der hauseigene Klavierstimmer Stefan Knüpfer mit großer Hingabe zu folgen versuchte, ist der Franzose als Perfektionist bekannt. Und auch für seine Einspielung des "Wohltemperierten Klaviers I" von Johann Sebastian Bach dürfte wieder ordentlich am Instrument gefeilt worden sein. Das aber völlig zu recht, muss man zugeben, wenn man die ersten Töne des berühmten C-Dur-Präludiums hört: So fein und singend der Tonkörper des Flügels, so ist zugleich doch immer auch ein deutlicher, "knackiger" Druckpunkt auszumachen, der die Tongebung des Cembalos mit in den Klavierklang hineinnimmt. Dazu kommt Aimards ruhiger Duktus, der die Aufmerksamkeit des Hörers nicht mit virtuosem Schellenklingeln blendet, sondern - detailreich phrasiert - wie an der Hand durch die sauber gestaffelten Stimmverflechtungen und sanglichen Schönheiten dieses Tonarten-Kaleidoskops führt. Einfach bereichernd, dass Aimard - der sich vor allem als Interpret der Werke Messiaens und Boulez' seinen Namen gemacht hat - nun erstmals Bach aufgenommen hat.