Featuring Danilo Perez and John Patitucci

Roy Haynes-Trio


Verve/Universal Jazz 543 534-2
(70 Min., 9/1999, 11/1999) 1 CD

Jahrzehntelang war der Schlagzeuger Roy Haynes ein Geheimtip unter Musikern. Die Kollegen nannten ihn "Mr. Snap Crackle" und priesen ihn als einen der hipsten Schlagzeuger der Szene. Diesen Ruf verdankt er seiner unnachahmlichen Art, mit seinem ganzen Set ein rhythmisches Strömen zu erzeugen, das mit seinen dynamisch nuancierten knackigen Akzenten nie krachend wirkt und das dem in der Umspielung stets felsenfest verankerten Grundrhythmus eine gummibandähnliche Flexibilität und unglaubliche Leichtigkeit verleiht.
Inzwischen ist Roy Haynes die Anerkennung zugewachsen, die längst überfällig war. Doch dem Sideman-Status entwachsen, hatte er als Leader Probleme, adäquate Mitspieler zu finden. In seinem aktuellen Trio mit dem Pianisten Danilo Perez und dem Bassisten John Patitucci lassen die Partner zumindest rhythmisch keinen Wunsch offen. Das Trio absolviert in einem Live- und einem Studio-Set ein abwechslungsreiches Programm, das Nummern aufgreift, die Roy Haynes im Laufe seiner Karriere mit den Großen des Jazz eingespielt hat. Aber vielleicht spielen ihm die Kollegen doch zu verständig die Patterns zu, statt ihn konfrontierend zu reizen. Jedenfalls gibt es so Roy Haynes satt zu hören, und der Mix macht deutlich, wer hier der Chef ist.

Thomas Fitterling, 25.05.2000


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Dieser Mann ist ein Phänomen: Nicht erst seit der Film "Pianomania" Einblicke in die verfeinerte, ja zuweilen heikle Klangästhetik Pierre-Laurent Aimards gab, dessen Vorstellungen der hauseigene Klavierstimmer Stefan Knüpfer mit großer Hingabe zu folgen versuchte, ist der Franzose als Perfektionist bekannt. Und auch für seine Einspielung des "Wohltemperierten Klaviers I" von Johann Sebastian Bach dürfte wieder ordentlich am Instrument gefeilt worden sein. Das aber völlig zu recht, muss man zugeben, wenn man die ersten Töne des berühmten C-Dur-Präludiums hört: So fein und singend der Tonkörper des Flügels, so ist zugleich doch immer auch ein deutlicher, "knackiger" Druckpunkt auszumachen, der die Tongebung des Cembalos mit in den Klavierklang hineinnimmt. Dazu kommt Aimards ruhiger Duktus, der die Aufmerksamkeit des Hörers nicht mit virtuosem Schellenklingeln blendet, sondern - detailreich phrasiert - wie an der Hand durch die sauber gestaffelten Stimmverflechtungen und sanglichen Schönheiten dieses Tonarten-Kaleidoskops führt. Einfach bereichernd, dass Aimard - der sich vor allem als Interpret der Werke Messiaens und Boulez' seinen Namen gemacht hat - nun erstmals Bach aufgenommen hat.