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Dear Miles

Ron Carter

Blue Note/EMI 3 92547 2
(52 Min., 2/2006) 1 CD

Ab 1963 war Ron Carter Bassist einer der wichtigsten Bands der Jazzgeschichte. Fünf Jahre lang bereitete er dem legendären zweiten Miles Davis Quintet rhythmisch und harmonisch den Boden (oder zog ihn geschickt weg, je nachdem). Knapp 40 Jahre nach seinem Ausscheiden aus der Gruppe und annähernd 1.000 Platten später hat sich Carter 2006 dazu entschlossen, seinem ehemaligen Arbeitgeber endlich eine Tributplatte zu widmen. "Zehn Jahre früher hätte ich es als Beleidigung aufgefasst, wenn man mir so etwas vorgeschlagen hätte", sagt der inzwischen 70-Jährige.
"Dear Miles," lautet der Titel – wie die Anrede in einem freundschaftlichen Brief, dessen Inhalt ungefähr so lauten könnte: Lieber Miles, war doch eigentlich ganz schön, was du in den 50er und 60er so angestellt hast, bevor dieser ganze Jazzrockmist anfing. "Dear Miles," ist denn auch keine Hommage an die gespenstische Wandlungsfähigkeit des Visionärs Miles Davis, sondern eine Verbeugung vor den Standards, denen er neues Leben einhauchte. Ron Carter und seinem um einen Perkussionisten erweiterten Pianotrio gelingt das bei Stücken wie "My Funny Valentine", "Stella by Starlight" oder "Bye Bye Blackbird" ebenfalls. Ungemein spiel- und zitierfreudig wird da vorgegangen. Aber immer auf der Basis mittlerweile irgendwie altertümlich anmutender Jazzwerte.
Kurz gesagt: Das alles swingt wie die Hölle, in die Miles hoffentlich nicht geworfen wurde. Und Pianist Stephen Scott ist ein würdiger Nachfolger von Oscar Peterson. Lieber Ron, danke, dass es dich und die deinen gibt.

Josef Engels, 21.12.2007



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