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Richard Strauss

Also sprach Zarathustra, Burleske

Gerhard Oppitz, Düsseldorfer Symphoniker, John Fiore

Hänssler/Naxos 98.476
(52 Min., 5/2002, 11/2001) 1 CD

Richard Strauss wusste schon, auf welch' glattes Eis er sich mit der Tondichtung "Also sprach Zarathustra" begeben hatte. Aus der zeitlichen Distanz von gut dreißig Jahren nach der Uraufführung 1896 bekannte er, dass es wohl kaum eine spießbürgerlichere Musik geben könne angesichts dieses Gedankengebäudes von Friedrich Nietzsche. Womit er gleichzeitig auch die Gefahren gesehen hat, in die zahllose Schallplatten-Produktionen geraten sollten. Mit klanggesättigten Schwelgereien und vulgär-süffigen Kantilenen, die schnell zur puren Marmeladenmusik wurden. Der Düsseldorfer GMD John Fiore zeigt jetzt aber, wie sich dekorative Jugendstilismen, Wagner-Referenzen und pompöse Wucht aufhellen lassen, wenn man zunächst auf Distanz geht, ohne sich dabei dem Werk zu entfernen.
Fiore achtet mehr auf die Klangfinessen als das Pathos. Wie bei der "großen Sehnsucht" oder im "Grablied", wo hochartifiziell-geistvolles Drängen ausgemessen wird und Strauss´ Beschäftigung mit der Orchestersprache von Berlioz durchschimmert. Fiore macht so jede Kühnheit deutlich und spürbar, nimmt selbst banale Figuretten ernst, ohne sie zu überheben. Und trotz der plastischen Klangrede herrscht Leichtigkeit, Charme und Großzügigkeit in der vorbildlich umgesetzten Pracht. Geradezu ein ideales Team bilden danach in der "Burleske" d-Moll für Klavier und Orchester Gerhard Oppitz und die Düsseldorfer Symphoniker, die sich seit Fiore gemacht haben. Mit offenem Visier wirft man sich gemeinsam in dieses herrliche Virtuosenstück, in dem jede melancholische oder noch so nassforsche Heiterkeit mit zupackender Borstigkeit beantwortet wird.

Guido Fischer, 23.10.2004



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