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Richard Strauss

Lieder

Jonas Kaufmann, Helmut Deutsch

harmonia mundi HMC 901879
(69 Min., 5/2005) 1 CD

Der Tenor Jonas Kaufmann machte wohl eine der erstaunlichsten stimmlichen Entwicklungen durch, die in unseren Tagen zu beobachten waren: Im Studium und auch darüber hinaus ein in puncto Stimmtechnik und Fach in ganz anderen Regionen als den später beschrittenen Suchender, lernte er (so gab er im Interview zu Protokoll) mehr und mehr so zu singen, wie es der eigenen Erfahrung nach seinem Material entspricht - teils deutlich entgegen dem Rat von Gesangslehrern. Heraus kam eine Stimme, die mit der einstigen kaum noch irgendetwas gemein hatte. Kaufmann verfügt heute über eine gut im Körper verankerte, atemberaubend kraftvoll-metallische, extrem fokussierte, beinahe heldische Stimme mit unverwechselbarem Timbre. Für die u. a. auf vokale Effekte zielenden und die intensive Ausgestaltung großer Bögen fordernden Lieder von Richard Strauss erweist sie sich damit als gut geeignet, wenngleich Kaufmanns Strauss noch einmal ein ganz anderer ist als derjenige des materialmäßig ja auch nicht eben gering ausgestatteten Hermann Prey: Letzterer brilliert - im derzeit vergriffenen Studiorezital mit Sawallisch und im Salzburger Liederabend immer wieder auch mit irisierenden Kopftönen, die einen wohltuenden Kontrast zu mitreißenden Höhepunkten im Forte bieten. Kaufmann hingegen, der im oberen Lautstärkebereich noch eindrucksvoller, gelegentlich gar erdbebenartig zu agieren versteht, zahlt den Tribut für sein sicher nicht immer ohne Kraftanwendung an bedenklicher Stelle erzeugtes Metall in ebenjenen Pianopassagen, die dann leichte Nebengeräusche hören lassen. Gelingt es dem Hörer jedoch, die Sorgen um dieses herrliche Material zurückzustellen - was nicht ganz einfach ist, denn auch im oberen Belastungsbereich (hohe Lage im Fortissimo) gemahnt Kaufmanns bedingungsloser Einsatz immer wieder an die Vergänglichkeit von Stimmbändern -, dann kann er dieses außergewöhnliche Strauss-Rezital, das im Wesentlichen die bekannten Schlager und daneben eher weniger Unbekanntes bietet, durchaus genießen, denn hier wird gesungen, gesungen, gesungen...

Michael Wersin, 25.08.2006



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