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Richard Strauss

Vier letzte Lieder u.a.

Nina Stemme, Orchester der Oper Covent Garden, Antonio Pappano

EMI 378797 2
(56 Min., 9/2006) 1 CD

Wir haben Richard Strauss’ "Vier letzte Lieder" von der feenhaft-leichten und doch durchschlagskräftigen Klangzauberin Lisa della Casa unter Leitung des Strausskenners und -könners Karl Böhm (1953), wir haben sie von der einzigartig wohl-timbrierten Gundula Janowitz unter Leitung des hier durchaus überzeugenden Klangmagiers Herbert von Karajan (1974), ja wir haben sie auch von der textlich plastisch und in der Linienführung charmant gestaltenden Elisabeth Schwarzkopf unter Otto Ackermann (1953). Was will uns da nun diese Neuaufnahme von Nina Stemme sagen, die, isoldengestählt, wohl weitaus größere Durchschlagskraft aufbringt als alle zuvor Genannten – aber wo bleibt die Atmosphäre, wo bleibt die Eleganz, wo der Zuckerguss in diesem durchgehend mit ausgiebigem Vibrato angereicherten, dadurch sowohl dem Text als auch der expressiven Melodik gegenüber quasi verobjektivierten Gesang? Das ist technisch sehr gut bewältigt, aber es ist doch so gar kein Strauss. Noch deutlicher wird dies in der ebenfalls enthaltenen Schlussszene aus "Capriccio" (für die sich übrigens wiederum der aussagekräftige Vergleich mit della Casa und vor allem mit Schwarzkopf anbietet, die diese Szene ebenfalls eingespielt haben): Nina Stemme agiert in diesem Konversationsstück (!) wie eine irrtümlich in ein Straussstück geratene Fricka, weitgehend ohne sprachliche Prägnanz und Einfühlungsvermögen in die Rolle. Nein, die Musik von Richard Strauss ist doch eine ganz eigene Baustelle, da braucht man andere Qualitäten als diejenigen, mit denen sich Nina Stemme bisher im Wagnerfach einen Namen gemacht hat.

Michael Wersin, 14.07.2007



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