Responsive image

Anything Goes

Brad Mehldau-Trio

Warner
(63 Min., 10/2002) 1 CD

An Selbstbewusstsein mangelte es Brad Mehldau nicht, als er 1997 zusammen mit dem Bassisten Larry Grenadier und dem Schlagzeuger Jorge Rossy eine bemerkenswerte CD vorlegte. "The Art of the Trio" nannte der Pianist das Werk. Ein ganz schön vollmundiger Titel für jemanden, der damals auf gerade mal 27 Jahre Lebenserfahrung zurückblicken konnte. Trotzdem: Die Sache funktionierte. Und zwar so gut, dass es die "Kunst des Trios" auf insgesamt vier Fortsetzungen brachte.
Ein Ende scheint nicht in Sicht. Mehldau, der 2002 mit der wunderbar eklektischen Aufnahme "Largo" aus dem Trio-Korsett ausbrach, braucht seine beiden Brüder im Geiste. "Anything Goes" fügt der Geschichte des Dreigestirns nun ein weiteres glorreiches Kapitel hinzu. Es ist schon fast beängstigend, wie mühelos es Mehldau, Grenadier und Rossy gelingt, beim Auftaktstandard "Get Happy" beinahe zehn Minuten lang eine Spannung aufrecht zu erhalten, die man der ursprünglichen Gospel-Vignette so eigentlich gar nicht zugetraut hätte. Dass das Trio Pop-Stücke wie Paul Simons "Still Crazy After All These Years" souverän in Jazz-Allgemeingut zu verwandeln versteht, weiß man inzwischen. Wie es aber Thelonious Monks nervös herumhüpfendes "Skippy" zähmt und mit einem eigenen Brandzeichen versieht - das ist ganz große Kunst: "The Art of the Trio" eben. Solange sich Mehldau und seine Gefährten nicht jedes Stück aus dem Jazz-Kanon vorgeknüpft haben, mögen sie gerne so weitermachen.

Josef Engels, 12.06.2004



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Zugegeben: Letzte Woche haben wir mit unserer CD-Empfehlung ganz schöne Hör-Kalorien aufgetischt. Dagegen wirkt das a-capella-Album deutscher Adventslieder von Schwesternhochfünf wie ein Spaziergang im Winterwald: klar, kühl, konzentriert. Die Stimmen beginnen im Einklang wie ein Schwesternkonvent der Hildegard-von-Bingen-Zeit, doch schon, wenn beim Arrangement von „Maria durch ein Dornwald ging“ hörbar ein Geflecht aus Sekunden und Reibungen zu flirren beginnt, zeigt das Album, was in […] mehr »


Top