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Jam Montreux '77

Count Basie

Pablo/ZYX OJC20 379-2
(46 Min., 7/1977) 1 CD

Was läge näher, als Count Basie, den Jam-Session-Veteranen, innerhalb eines Kontextes vorzustellen, aus dessen reichem Nährboden über vierzig Jahre zuvor der Kansas-City-Swing spross? Damals war der junge William Basie Pianist in der letzten Ausgabe des Orchesters von Bennie Moten, aus dessen Überresten sich dann in New York das erste Basie-Orchester formierte.
Doch nicht immer erschienen die Teilnehmer einer Jam Session, die einst zu Beginn noch gar nicht feststanden, derart gut vorbereitet: Basie hatte im Vorfeld dafür gesorgt, dass - bis auf den eröffnenden Blues zum Warmspielen - kein Stück ausuferte und jeder sein Solofeature bekam - sogar er selber, der sich gar nicht gerne ins Scheinwerferlicht rückte: Das macht seinen auf die Essenz reduzierten "Trio Blues" mit Ray Brown und Jimmie Smith umso kostbarer.
Benny Carter, Roy Eldridge und Zoot Sims, sonst kaum einmal gemeinsam zu hören, ergänzen sich aufs Beste: Carter und Eldridge, beide in bestechender Form, waren so fest in ihren ureigenen, stilbildenden Idiomen verankert, dass sie den Bebop lässig ignorieren konnten. Sims' warmer Tenorsound blieb von den Neuerungen zwar nicht unbeeindruckt, leitet sich aber direkt von Lester Young her, der einst bei Basie berühmt wurde. Daneben kommen die gestandenen Basieaner Vic Dickenson und Al Grey zum Zuge.
Der "Freeport Jump" vom gleichen Abend glänzt hier leider durch Abwesenheit. Obgleich er auf der CD locker Platz gefunden hätte, muss man sich zur Komplettierung "The Montreux Jam Sessions" (OJC20 385-2) kaufen, einen Sampler, der vor einem Vierteljahrhundert nur erschienen war, weil die Spielzeit der LPs nicht ausreichte. Doch um diese zusätzlichen Titel an ihre ursprüngliche Stelle im Konzertablauf zu integrieren, hätte man für mehrere Montreux-CDs neue Masterbänder anfertigen müssen.
Ein weiterer praktischer Nachteil dieser Ausgabe sei nicht verschwiegen: Beim Öffnen der Verschweißung fielen mir bereits die ersten Silberscheiben entgegen. Die beim Versand abgebrochenen Kunststoffzacken, die die CDs in den Digipaks festhalten sollten, kann man jedoch nicht ersetzen wie in den so genannten Jewelboxen: Da hilft nur noch Tesafilm.

Mátyás Kiss, 19.09.2002



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