Fellowship

Brian Blade


Blue Note/EMI 8 59417 2
(61 Min.) 1 CD

Brian Blade ist ein außergewöhnlicher Schlagzeuger. Nicht etwa, weil er über eine phänomenale Technik verfügt - gewiß, er gehört zu den ganz versierten Technikern der jungen Generation -, sondern vielmehr, weil er in allererster Linie ein dienender Musiker und Bandleader ist.
Nach seinen größten Einflüssen gefragt, nennt er neben seiner Jugenderfahrung als Schlagzeuger in der Kirche seines Vaters in Louisiana die Sängerin Joni Mitchell und den Sänger Neil Young. Heute ist er nicht nur ein gefragter Sideman von Joshua Redman oder McCoy Tyner, sondern ebenso von Bob Dylan oder Daniel Lanois.
Mit seiner eigenen Band, die aus Jon Cowherd (p), Melvin Butler und Myron Walden (sax), Dave Easley (g) und Christopher Thomas (b) besteht, zeigt er sich allerdings eher dem modernen Hauptstrom verpflichtet. Für “Fellowship” hat er alle Songs selber geschrieben, und die sind reich an melodischer Raffinesse; die Band als Ganzes steht im Vordergrund, Schlagzeugsoli kommen kaum vor.
Die Stücke repräsentieren Stimmungsbilder, die von Brian Blades Erfahrungen geprägt sind. Auch wenn sich beim Zuhörer andere Bilder einstellen mögen, so vermittelt sich doch darin das Gefühl der einfühlsamen Hingabe, die diese Musik prägt - auch wenn noch nicht alle Solisten zu einem unverwechselbaren Individualstil gefunden haben.

Thomas Fitterling, 31.03.1998


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Torquato Tassos Kreuzfahrerepos "Gerusalemme liberata" war im Italien des 18. Jahrhunderts so beliebt, wie den Deutschen ihre Ritter- und Heldensagen im 19. Jahrhundert. Die Gondolieri in Venedig konnten ganze Passagen auswendig rezitieren, berichtet Casanova, und auch in Rom, wo Tasso seine letzten Lebensjahre verbracht hatte, kannte man die Figuren des Epos gut, darunter vor allem den hehren Kreuzritter Rinaldo und seine Gegenspielerin, die Zauberin Armida. Georg Friedrich Händel, als blutjunger Tausendsassa nach Rom gekommen, saugte den italienischen Stil ein wie Muttermilch und verschaffte sich mit den musikdramatischen Juwelen seiner frühen Kantaten schnell die Hochachtung des römischen Adels. 1707 wurde auf einem Jagdausflug seine "Armida abbandonata" aufgeführt, die in drei Arien und zwei Accompagnati vollendet das Porträt der soeben von Rinaldo verlassenen Zauberin und ihre Seelenstürme porträtiert. Und diese Leidenschaften hat sich auch das Berner Ensemble "Les Passions de l'ame" unter Meret Lüthi zum Namensgeber erwählt. In ihrer neuen Aufnahme betten sie Händels Kantate geschickt als Epizentrum in Francesco Geminianis Ballettmusik "La Foresta incantata" (Der Zauberwald) ein, die dieser dem Epos Torquato Tassos fünfzig Jahre später abgelauscht hatte.