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Strength EP

The RH-Factor

Verve/Universal 986 334-8
(45 Min.) 1 CD

Okay, okay, diese CD ist eigentlich nur eine Mogelpackung. Weil sie neben zwei Remixen aus Material besteht, das Roy Hargrove auf der ersten Veröffentlichung seines Projektes "RH Factor" nicht mehr unterbringen konnte. Jetzt etwas von "Resteverwertung" zu murren, verbietet sich allerdings. Denn es wäre sehr schade gewesen, wenn Hargrove diese Aufnahmen der Welt vorenthalten hätte.
Denn noch mehr als die erfolgreiche "Hard Groove"-Einspielung von 2003 konturiert sie das Bild des jungen Trompetenhelden als Hansdampf in allen Funk-Jazz-Gassen. Das fängt mit dem gemeinen Afro-Beat des Auftaktstückes "Rich Man’s Welfare" an, nähert sich auf "Bop Drop" dem Heavy-Metal-Bebop der Brecker Brothers, zeigt im Folgenden die Verwandtschaft zum Soul-Jazz alter Schule à la Jimmy Smith und Eddie Harris und landet schließlich beim vom HipHop und George Clintons P-Funk-Irrsinn infizierten Tanzvergnügen unserer Tage. Abgesehen von dem allzu seicht geratenen Pop-Titelstückchen "Strength" hat das alles Klasse und genügend Improvisatoren-Credibility, um selbst hartgesotten nostalgiefeindliche Kritiker zum Schunkeln zu bringen.
Es steht allerdings zu befürchten, dass man auf wirklich neues Material von Hargroves Jugendbewegungsprojekt noch länger warten muss. Laut Waschzettel gibt es mindestens noch fünf Stücke aus der ersten Session, die weiterhin unveröffentlicht sind. Bis die jedoch versendet sind, ist Roy Hargrove wahrscheinlich schon längst wieder auf einen ganz anderen Zug aufgesprungen. So ist er nun mal, der unberechenbarste Trompeter seit Miles selig.

Josef Engels, 18.12.2004



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