Responsive image
Ludwig van Beethoven, Franz Schubert, Edvard Grieg

Violinsonaten

Fritz Kreisler, Sergei Rachmaninow

Naxos 8.11 0968
(73 Min., 1928) 1 CD

Sie waren, wiewohl beide vom Genius geküsst, ein ungleiches Paar. Hier der Wiener Sentimentale Fritz Kreisler, dort der russische Perfektionist Sergej Rachmaninow. Es erstaunt noch heute, dass sich diese so unterschiedlichen Künstlernaturen zusammenfanden, mehr aber noch, dass ihre Partnerschaft in aufregende Projekte mündete. Ein Zeugnis dieses fruchtbaren Zusammenwirkens ist die Einspielung der Violinsonaten von Beethoven (G-Dur, op. 30 Nr. 3), Schubert (A-Dur, D 574) und Grieg (c-Moll, op. 45) aus dem Jahre 1928.
Ein wahrer Schatz ist diese Aufnahme, es sei denn, man vergleicht sie pharisäerhaft mit modernen, intonationstechnisch weit versierteren Platten. Zugegeben, Kreisler seufzt und schnulzt an vielen Stellen so sehr, dass man vor Rührung glatt heulen könnte. Doch ist dieses Schmachten nur Mittel zum Zweck (der werkgerechten Interpretation) - und überdies Ausdruck einer Musizierhaltung, wie sie heutzutage leider allzu selten anzutreffen ist. Kurz und gut: Die Seele ist es, die hier mitsingt, die zumal Beethovens G-Dur-Sonate zu einem außerordentlichen Ereignis werden lässt. Licht ist die Grundstimmung, subtil-entschlossen die Tongebung. In weiten Bögen und feinsinnigem Dialog formen Kreisler und Rachmaninow das Geschehen. Die hier und da durchscheinende Dramatik des Werks wird nicht äußerlich, sprich: effektvoll, sondern weit mehr von innen heraus erfasst. Eine Meisterleistung, die, kleines Schmankerl, gleich zwei Mal zu bewundern ist. Wobei die zweite, alternative Fassung der G-Dur-Sonate um eine Spur griffiger, zupackender ist.

Jürgen Otten, 16.08.2003



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Werk und Biografie: Immer wieder führt dieses Spannungsfeld zu Einsichten in Komponistenleben, die Rätsel aufgeben oder einen zumindest staunen machen. Nikolai Mjaskowski zum Beispiel kam aus einer russischen Offiziersfamilie, ging auf die Kadettenschule, später auf die Petersburger Akademie für militärisches Ingenieurwesen und wurde anschließend, wie sein Vater, Offizier. Daneben aber komponierte er, und dieses Oeuvre hat mit Drill und militärischer Strenge so gar nichts zu tun. […] mehr »


Top