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Ludwig van Beethoven

Violinkonzert D-Dur u.a.

Henryk Szeryng, CBC Symphony Orchestra, Jorge Mester, Charles Reiner, Orchestre Pasdeloup, Gabriel Bouillon

VAI DVD/Codaex 4231
(79 Min., 1951, 1960, 1988) 1 DVD, Mono, Format 4:3. Region Code 0

Faszinierendes musikalisches Porträt eines Ausnahme-Geigers: Die Kunst des Polen Henryk Szeryng (1918-1988) ist auf dieser DVD mittels Aufnahmen aus den Jahren 1988, 1960 und 1951 (letztere als Bonus-Track ohne Bild) umfassend repräsentiert. Seine Einspielung des Beethoven-Violinkonzertes, die am ersten Weihnachtstag des Jahres 1988 im Kanadischen Fernsehen gesendet wurde, muss kurz vor seinem Tod am 3. März desselben Jahres entstanden sein. Das von Charles Reiner am Klavier begleitete Rezital mit Werken von Pugnani, Bach, Brahms, Marroquin, Sarasate und Suk stammt aus dem Jahre 1966. Bachs Violinkonzert in a-Moll, begleitet von der Pasdeloup Concert Association unter Gabriel Bouillon, wurde 1951, noch vor Beginn der Weltkarriere des Geigers, aufgezeichnet.
Sämtliche Aufnahmen belegen, unabhängig von Fragen nach historischer Authentizität (Szeryngs Bach-Auffassung etwa ist selbstverständlich „romantisch“), eindrucksvoll Szeryngs außergewöhnliches Gestaltungsvermögen: Er scheint unfähig gewesen zu sein, jemals einen einzigen hässlichen Ton zu spielen (wie kratzt und jammert es dagegen bei manchen hoch gelobten Interpreten der Gegenwart!). Entsprechend macht nicht allein die organische Anlage größerer melodischer Zusammenhänge die herausragende Qualität seines Spiels aus, sondern auch die Formung des Einzeltones: Mit perfekter Bogentechnik verleiht er jeder Note ein Eigenleben, indem er sie individuell entwickelt und entfaltet. Was selbstverständlich klingt, erweist sich vor dem Hintergrund von Szeryngs Können als Fähigkeit, die auch den großen Violinisten wohl in sehr unterschiedlichem Maße zu Gebote steht.
Zusätzlich zum Hör-Erlebnis zeigt die visuelle Ebene der vorliegenden Aufnahmen, dass Szeryng seine durch Schönheit und Vollkommenheit bewegenden künstlerischen Leistungen äußerlich relativ unbewegt vollbrachte: Vor allem beim Beethoven-Konzert erfreut er zwar durch tadellose Haltung, erspart dem Zuschauer aber jegliches Grimassieren oder Herumschaukeln, mit dem manch anderer Interpret seinem Vortrag zusätzliches Gewicht zu verleihen versucht. Szeryngs nüchterne Gelassenheit dagegen zeugt von beispielhaft unprätentiöser Souveränität.

Michael Wersin, 13.09.2003



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