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One Quiet Night

Pat Metheny

Warner Music 093624847328
(65 Min., 11/2001, 1/2003) 1 CD

Vor etwas mehr als zehn Jahren schockte Pat Metheney die Jazz-Welt mit seiner Solo-Aufnahme „zero tolerance for silence“. Der liebe Melodiker mit dem Wuschelhaar und dem ewig gleichen Ringelpulli entpuppte sich da unversehens als Berserker, der sein Arbeitsgerät mit brutalen Noise-Attacken quälte. Sein neuer Alleingang „One Quiet Night“ ist nun gewissermaßen die stille Antwort auf den Wutausbruch von 1992.
Mit funkelnagelneuer Baritongitarre und einem einzigen Mikrofon schloss sich Metheny im November des amerikanischen Katastrophenjahres 2001 in seinem Heimstudio ein. Vielleicht wollte er nur mal sein frisch erworbenes Instrument austesten; vielleicht dürstete es ihn in Zeiten des Terrors auch nach ein bisschen Frieden. Gewiss ist nur, dass aus dem nächtlichen Gitarren-Monolog ein Tonträger geworden ist, der auf dem schmalen Grat zwischen Kitsch und tiefempfundener Romantik wandelt. Aber selbst wenn Metheny poppiges Liedgut wie Norah Jones’ „Don’t Know Why“ oder Gerry and the Pacemakers’ „Ferry Cross the Mersey“ bearbeitet, gibt es keine wirklich bösen Abstürze.
Es liegt an den überraschend harmonischen Wendungen, den irrlichternden Flageoletts, der seltsamen Saitenstimmung der akustischen Gitarre. „Nashville Tuning“ heißt Methenys Zauberwort dafür. Es verweist assoziativ auf Country, Lagerfeuer und selbstgedrehte Zigaretten. Wer das mag, wird „One Quiet Night“ für intime Kammermusik halten. Für alle anderen entsteht der Verdacht, einem einstündigen Geklampfe auf höchstem Niveau beizuwohnen. Immerhin: Die Friedensbewegung hat einen neuen Soundtrack.

Josef Engels, 28.06.2003



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