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Antoine Boësset

Lieder und Instrumentalstücke

Le Poème Harmonique, Vincent Dumestre

Alpha/Note 1 ALP057
(60 Min., 11/2003) 1 CD

Er machte mit seinem Schwiegervater Philippe Guédron nicht nur dem royalen Hofstaat von Ludwig XIII. und Anna von Österreich gehörig Beine mit seinen Ballettmusiken. Anthoine Boesset (1587 - 1643) gehörte neben Guédron und Estienne Moulinié zu den Wegbereitern des französischen "Air de Cour". Jener weltlichen Liedform also, die dank eines Höchstmaßes an Ausdruck und Eleganz schnell im Louvre Mode wurde. Doch obwohl Boesset auch auf diesem Gebiet viele, zeitlos wertvolle Melodien produzierte (rund 230 Airs de Cour sind von Boesset überliefert), musste erst jetzt mal wieder das französische Spezialistenensemble Le Poème Harmonique unter seinem Leiter Vincent Dumestre kommen, um sie mit der CD "Je meurs sans mourir" wach zu küssen.
Und natürlich wird der interpretatorische Standard nirgendwo unterboten, den Le Poème Harmonique bislang mit seinen aufregenden Reisen in vergangene Epochen garantierte. Mit ihrem geradezu magisch leuchtenden Sopran lässt Claire Lefilliâtre das wundersam abgedunkelte Innenleben der Airs flackern und zittern. Dann wieder verwandelt sie mit ihren Sängerkollegen die Récits, diesen zwischen den Balletten stehenden Ensemblestücken, zu bebenden Minidramen. Da zeigt sich die barocke Rhetorik idealtypisch, plastisch und vor allem mitreißend. Aber da Vincent Dumestre immer auch auf der Suche nach möglichen, musikalischen Nebenschauplätzen und Verbindungslinien ist, streut er hier und da einige spanische Instrumentalstücke ein. Wie eine Chaconne des Gitarrenpioniers Luis de Briceno, dessen Lehrbücher Anthoine Boesset wohl studiert haben mag, als er die von iberischer Melancholie angehauchte Air "Frescos ayres del prado" komponierte.

Guido Fischer, 16.10.2004



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