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Ferruccio Busoni

Violinkonzert D-Dur, 2. Violin-Sonate

Frank Peter Zimmermann, Enrico Pace, Orchester des RAI Mailand, John Storgårds

Sony BMG SK94497
(54 Min., 4/2004, 10/2004) 1 CD

Bach, Beethoven, Brahms - keine schlechte Ahnengalerie, an der Ferruccio Busoni vorbeischlenderte, um sich ausnahmsweise mal nicht dem Klavier, sondern ganz der Violine zuzuwenden. Während Busoni in der 2. Violinsonate mit Bach seinem kompositorischen Maß aller Dinge eine Referenz in Form von Variationen über den Choral "Wie wohl ist mir, o Freund der Seelen" erwies, steht das Violinkonzert selbstbewusst in der Tradition der deutschen Meister aller Klassen. Und obwohl allein der Dreisätzer so anspruchsvoll ist, wie er kantilenenselig den Geist des 19. Jahrhunderts einfängt, begegnet man dem Werk selbst live nahezu nie. Da muss dann schon ein Geiger von Rang und Namen kommen, um sich zukünftig im Licht der Öffentlichkeit endlich behaupten zu können. Frank Peter Zimmermann spielt denn auch das Konzert und die gleichfalls nach überfälliger Popularität lechzende Violinsonate nicht als Literatur-Raritäten.
Zimmermann zeigt sich im herrlichen "Quasi andante" als verführerischer Orpheus, weil sein Ton auf alle Drücker und Portamenti verzichtet und stattdessen auf eine wohltuend-luzide Schlankheit setzt. Und in den springlebendigen Ecksätzen stellt Zimmermann unter Beweis, dass Busoni 1896 kein plumper Apologet war, sondern bereits mit burschikosem Augenaufschlag das 20. Jahrhundert im Visier hatte. Zimmermann zieht es mit seiner makellos umgesetzten Impulsivität dabei schon mal ganz nah an den Konzertpodiums-Rand, so dass das Orchestra Sinfonica Nazionale Della Rai unter John Storgårds sich durchaus ins Zeug legen muss, um da mitzuhalten. Zimmermanns langjähriger Klavierpartner Enrico Pace dokumentiert in der 2. Violinsonate schon bessere Steherqualitäten. In diesem effektvollen und vielseitigen Opus, das im zweiten Satz "Presto, attacca" Prokofjew'sche Schärfe anschlägt und danach in den Choral-Variationen von spätromantischer Innigkeit bis glanzvoller Spontaneität einen weiten Bogen schlägt. Vorausgesetzt, ein Geiger von Rang und Namen setzt das alles wie Zimmermann in die Tat um.

Guido Fischer, 10.09.2005



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