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Silvestre Revueltas

Sensemayá, Hora de Junio, Pieza para doce instrumentos, Homenaje a Frederico Garcia Lorca u.a.

Juan Carlos Tajes, Ebony Band, Werner Herbers

Channel Classics/harmonia mundi 21104
(66 Min., 11/2003) 1 CD

Als 1999 Esa-Pekka Salonen mit seinem L.A. Philharmonic Orchestra dem mexikanischen Komponisten Silvestre Revueltas (1899 - 1940) ein ganzes Album widmete, musste man sich erst einmal die Ohren reiben. Denn was da einem entgegenpurzelte an wilden Kreuzungen aus klassischer Moderne und scharfer Folklore, entpuppte sich als bis dahin sträflich ignorierte Wundertüte. Die überfällige Rehabilitation von Revueltas im Konzertleben schafften Salonen & Co. dennoch nicht. Aber jetzt sollte es doch endlich gelingen. Dank der Amsterdamer Ebony Band unter Werner Herbers. Und vor allem dank einer Auswahl von Kammermusik-Werken, die zwischen 1929 und 1940 entstanden und in denen man die farbensprühenden und rhythmusbetonten Seiten von Revueltas kennen lernt. Zumal die Musiker den Ensemblestücken und Zyklen soviel Pfiff und hintergründigen Charme mitgeben, dass es Revueltas durchaus postum mit dem übermächtigen Neo-Klassizisten Igor Strawinsky aufnehmen kann.
Mit exquisitem Feinschliff und schnittig perkussiver Gangart sorgt so die Ebony Band für genau die verschmitzten Zwischentöne und varietéhaften Szenerien, um in den raffiniert angelegten Leichtgewichten bloß keine Langeweile aufkommen zu lassen. Auch weil Revueltas seinem prähistorischen Crossover immer wieder neue Wendungen mitgab. Das bizarr träge "Caminando" scheint von mexikanischer Gluthitze gar gekocht, und in "Ocho por radio" sorgen Volksmusiksignale und -fanfaren für die nötige Impulsivität. Und warum Revueltas nach einem New Yorker Gastspiel höchstpersönlich von Edgard Varèse lobgepriesen wurde, wird bei der Wiederbegegnung mit seinem bekanntesten Stück auf den Punkt nachvollziehbar ausmusiziert: wenn sich in "Sensemayá" plötzlich ein Ungetüm in Bewegung zu setzen scheint - und in dieser Maschinenmusik zu glühen, zu stampfen und zu dampfen beginnt.

Guido Fischer, 12.03.2005



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