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Anton Rubinstein

Konzert für Violoncello und Orchester, Don Quixote u.a.

Alban Gerhardt, Wuppertaler Sinfoniker, George Hanson

MDG/Naxos 335 1165-2
(60 Min., 7/2002) 1 CD

Das Jahr 1911 hätte posthum der überfällige Wendepunkt für Anton Rubinstein (1829 - 1894) werden können. Mit großem Erfolg wurde in Paris seine Oper "Der Dämon" in der französischen Fassung aufgeführt, während die Bass-Legende Fjodor Schaljapin zeitgleich in St. Petersburg zwei "Dämon"-Arien aufnahm, die mittlerweile zum Weltinterpretationserbe gehören. Doch genutzt hat das Rubinstein genauso wenig, wie sich Zeit seines Lebens Brahms und Mahler vergeblich für ihn einsetzten. Bis heute werden die Opern, die sechs Symphonien und fünf Klavierkonzerte des Klavier-Virtuosen und berühmten Pädagogen Rubinstein kaum in Konzert-Umlauf gebracht. Dabei stehen die beiden Ballett-Sätze aus dem "Dämon", die den Einstieg in das nun vorliegende Rubinstein-Porträt bilden, der melodiösen Eleganz und klanggefärbten Poetik eines Tschaikowskys in nichts nach. Und auch in der Orchesterhommage an "Don Quixote" op. 87 zeigt sich Rubinstein neben der musikdramatischen Stoßkraft sogar als unakademischer Fugenmeister und umsichtiger Schumann-Kenner.
Und genau diese West-Perspektive Rubinsteins kommt bei dieser Aufnahme zu überfälligen Ehren; so schafft es George Hanson mit den hellwach und engagiert agierenden Symphonikern aus Wuppertal den Vorwurf des ideenlosen Eklektizismus zu widerlegen. Was besonders im Cello-Konzert op.63 gelingt, bei dem Solist Alban Gerhardt das nötige Verständnis mitbringt, um zwischen deutscher Durchhörbarkeit und slawischer Süffigkeit zu vermitteln. Gerhardt besitzt Temperament, setzt aber nicht auf Ausstellungsvirtuosität. Stattdessen kann er selbst empfindliche Schönheiten ohne die gefährlichen Portamenti aussingen, besitzt seine Phrasierung dabei stets Hand und Kopf. Was diese Rehabilitierung Rubinsteins doppelt wertvoll macht.

Guido Fischer, 21.06.2003



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