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Charles Tessier

Carnets de voyages

Le Poème Harmonique, Vincent Dumestre

Alpha/Note 1 100
(59 Min., 10/2005 - 11/2005) 1 CD

Hinter den Stammdaten des französischen Renaissance-Komponisten Charles Tessier steht bis heute immer noch ein großes Fragezeichen. Wahrscheinlich um 1550 im Languedoc geboren, soll er der Sohn eines bretonischen Komponisten gewesen sein. Wo und wann Charles Tessier gestorben ist, mag wohl ebenfalls weiterhin ein Rätsel bleiben. Dafür haben musikwissenschaftliche Spürnasen herausgefunden, dass Tessier um die Jahrhundertwende ein wahrer Weltenbummler gewesen sein muss, den es sogar in den arabischen Raum zog. Spuren von seinen Reisen, die ihn von England und Spanien über die Residenz des Landgrafen Moritz von Hessen-Kassel bis nach Italien führten, finden sich zudem und eindeutig in seinen Liederbüchern sowie in der Mischung aus Kunst- und Volksmusik.
Aus Tessiers Reise-Impressionen hat das nicht wegen seiner ständigen Repertoire-Überraschungen über den grünen Klee zu lobende Ensemble Le Poème Harmonique eine Route zusammengestellt, die in ihrer Vielseitigkeit den Instrumentalisten und Sängern auf den Leib maßgeschneidert ist. Schon in den beiden "Chansons turcquesques" "He vel aqueur" und "Tal lissi man" steckt dank der wirbelnden Oboenvorläufer "Bombarde" soviel osteuropäisch exotisches Flair, dass man Tessier glatt als Urvater der im 18. Jahrhundert aufkommenden Türkenmode bezeichnen kann. Und aus dem italienischen Villanelle suissec "Mattone mie care" wird ein kleines Commedia dell´arte-Kunstwerk, während es zwischendurch traumhaft schwebende Airs de court zu bewundern gibt, in denen die Sopranistin Claire Lefilliâtre mit ihrer magisch-dunklen Stimmfärbung den Zuhörer einmal mehr um den Finger wickelt. Nur in dem Lied "Junckfrau dein schöne gstalt erfreüt mich sehr", das aus der Feder vom Gabrieli-Schüler Hans Leo Hassler stammt, gelingt dem von Ensemble-Leiter Vincent Dumestre tadellos eingestellten Sängerteam die deutschsprachige Premiere nicht so recht. Der Verblüffung tut das aber keinen Abbruch darüber, wie selbstverständlich ansonsten hier musikalische Grenzen niedergerissen werden und dabei dennoch der Nationalcharakter gewahrt bleibt.

Guido Fischer, 22.12.2006



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