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Diverse

Klavierwerke

Earl Wild

Ivory Classics/Codaex IC 77001
(74 Min., 1973 - 1987) 1 CD

Als die Edition "Große Pianisten des 20. Jahrhunderts" vor einigen Jahren auch den Amerikaner Earl Wild in ihr Pantheon aufnahm, war das in Europa für viele eine Überraschung. Denn der 1915 geborene – und immer noch konzertierende! – Wild ist bis heute hierzulande nicht wirklich bekannt geworden, und erst die Wiederentdeckung des virtuosen Transkriptions- und Paraphrasenrepertoires hat ihm einen gewissen Kultstatus unter Pianomanen gesichert. Denn Wilds Domäne war seit jeher diese Sonnenseite des Repertoires, jene Stücke, in denen artistische Brillanz, aber auch Charme, Show und Sentiment die Hauptsache sind. Das bekräftigt auch die CD mit Livemitschnitten, die jetzt bei Wilds Hauslabel Ivory Classics erschienen ist. Chopins Mazurken werden bei ihm zu elegant blitzenden Miniaturen, in denen die Melancholie auf einen sanften "blue mood" heruntergedimmt ist. Ein guter Schuss sublimiertes Barpianistentum ist bei Wild nicht nur mit dabei, wenn er Zugabenstückchen wie Moszkowskis "Etincelles" aus dem Frackärmel schüttelt, auch die Barcarolen von Chopin und Fauré sind sonntagnachmittägliche Ruderpartien im Central Park – unbeschwert, aber eben auch ohne Geheimnis. Das stört aber nicht weiter, sondern gibt Wilds Interpretationen gerade den persönlichen Touch großer Klavierkunst. Und wenn der Altmeister Liszts Ungarische Rhapsodien mit lässigem Rubato-Feeling, funkelnden Läufen und aberwitziger Virtuosität zu einer Tastenorgie werden lässt, liegt man ihm eh zu Füßen.

Jörg Königsdorf, 28.12.2007



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