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Pavel Vranický

Sinfonien

Dvořák Kammerorchester, Bohumil Gregor

Supraphon/Codaex SU 3875-2
(112 Min., 9/1988, 5/1990)

Für uns, die wir - im Bezug auf die sogenannte "ernste" Musik - in einer Epoche des stilistischen Pluralismus leben, ist es kaum mehr nachvollziehbar, wie sehr in früheren Zeiten der Stil einer bestimmten Epoche offensichtlich "in der Luft lag". Hört man etwa die Sinfonien Pavel Vranickýs, die auf dieser CD versammelt sind, dann hört man darin die Idiome Mozarts und Haydns, daneben auch durchaus Eigenes (nicht wirklich Überragendes, aber immerhin). Nun ist nicht zwangsläufig davon auszugehen, dass ein Herr Vranický einfach von den Großen seiner Zeit abgeschrieben bzw. diese imitiert hat - nein, umgekehrt wurden gerade die Großen nicht selten auch von Kleinmeistern inspiriert, adaptierten motivische, formale oder strukturelle Ideen, um auf dieser Basis etwas Außergewöhnliches zu schaffen. Dies hob sich dann durch Individualität der Ausführung, durch eine geniale exemplarische Lösung gattungsimmanenter Problemstellungen ab von den Werken der Kleinmeister, die tendenziell eher Dutzendware waren ...
Aber zurück zu Vranický: Sein Bruder und er, gebürtig aus Mähren, spielten im Wiener Musikleben ihrer Tage durchaus eine bedeutende Rolle, waren gefragte Musiker. Pavel Vranický hob als Dirigent Beethovens "Erste" aus der Taufe, dirigierte Haydns "Schöpfung" und hätte auf Bitten Goethes Mozarts "Zauberflöte" fortsetzen können. (Er hat es wohlweißlich gelassen, so wie es auch Peter von Winter, der es schließlich tat, lieber gelassen hätte.) Ein erfolgreicher Mann also; von souveräner, eleganter Faktur auch seine Musik, aber eben nicht wirklich außergewöhnlich - ähnlich wie die Darbietung auf dieser CD durch das Dvořák Chamber Orchestra unter Leitung von Bohumil Gregor (eingespielt schon 1988 bzw. 1990), die sehr solide, aber nichts Außergewöhnliches ist. Weiß man dies, so kann man diese reizvolle Doppel-CD durchaus sehr genießen.

Michael Wersin, 11.10.2006



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