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Igor Strawinski, Johannes Brahms

Pétrouchka, Liedeslieder-Walzer op. 52

Hans-Peter Stenzl, Volker Stenzl, Gyula Rácz, Uwe Arlt, Neuer Kammerchor Regensburg, Kunibert Schäfer

Arthaus/Naxos 100 715
(60 Min.) 1 DVD, Region Code 0, DVD 5, Format 4:3

Strawinskis "Pétrouchka" in einer Fassung für zwei Klaviere und zwei Schlagzeuger, aufgenommen im Saal der Stuttgarter Musikhochschule, und Brahms’ "Liebeslieder-Walzer" op. 52, aufgenommen im historischen Napoleon-Saal in Regensberg - zwei Programmpunkte, die zunächst nicht viel miteinander gemein zu haben scheinen. In beiden Werken spielt, technisch tadellos und interpretatorisch durchaus engagiert übrigens, das Klavierduo Hans-Peter und Volker Stenzl. Strawinskis Ballett erklingt in einer Bearbeitung des ebenfalls an der Aufführung beteiligten Schlagzeugers Gyula Rácz, deren Zielsetzung es ist, die "Farbenvielfalt des Orchesters mit perkussiven Farben zu ersetzen" - ein sehr aufschlussreiches Unterfangen, anhand dessen deutlich wird, wie wichtig die orchestralen Farben in dieser doch auch so motorik-gezeugten Partitur sind: Sie können vielleicht "ersetzt" werden, aber ihre Klangsinnlichkeit fehlt dem Hörer letztendlich doch. Dafür entschädigt auch die visuelle Animation auf dieser DVD - sie soll die "Polarität zwischen Sinnlichkeit und Intellektualität" auflösen helfen - keineswegs: Mit ständigem Perspektivenwechsel, Überblendetechniken und eingefügten elektronischen Effekten ähnlich den Features, die der Windows-Mediaplayer überflüssigerweise anbietet - seien sie auch, wie im Beiheft zu lesen, "von Strawinskis Musik im Computer generiert" worden - verursacht der verantwortliche Video-Künstler (wer ist das hier eigentlich?) beim Zuschauer eher Nervosität, Fahrigkeit und Kopfschmerzen als eine Synthese von Kopf und Bauch.
Ähnliches gilt auch für die Biedermeier-Gemälde und die in Anlehnung an deren Gestimmtheit nachgestellten Szenen (blondes Mädel sitzt im Wald und spielt mit Hopfen oder sinniert, blondes Mädel reicht einem Jungen verliebt die Hand etc.), mit denen die Liebeslieder-Walzer visuell unterfüttert wurden: Hier müssten zumindest professionellere Inszenierungen und Darsteller her, um vom "Sonntagskonzert-mit-Günter-Wewel"-Image wegzukommen. Problematisch beim Brahms übrigens auch die Tonaufnahme: Der Flügel steht unten im Saal, die Männer- und Frauenstimmen des Neuen Kammerchores Regensburg sind auf den beiden übereinander liegenden Galerien positioniert. Für das Klangergebnis bedeutet diese Aufstellung, dass weder der Flügel noch der Chor präsent klingen; stattdessen dominiert ein verwaschener Raumklang. Am Ende der DVD weiß man nicht so recht, was das Ganze eigentlich sollte: Als Projekt der Medien-Abteilung einer Musikhochschule wäre dies wohl passabel, aber für ein kommerzielles Produkt sind weder die visuelle Idee noch deren Ausführung genügend ausgereift.

Michael Wersin, 11.12.2004



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