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Igor Strawinski

Danses Concertantes, Concerto in D, Apollon Musagète u.a.

Stuttgarter Kammerorchester, Dennis Russell Davies

ECM/Universal 472 1862
(69 Min., 10/2002) 1 CD

Karge Formteile, konturiert springende Rhythmen, barocke Stil-Zitate und die durch die Brille des 20. Jahrhunderts gesehene Strenge des komponierenden Renaissance-Fürsten Gesualdo - das sind nur einige Ingredienzen, aus denen der Neo-Klassizismus von Igor Strawinski gemacht ist. Hinzu können dann noch leicht in Schieflage gebrachte Walzer und ironische Coolness kommen. Wie bei Dennis Russell Davies und dem Stuttgarter Kammerorchester, die mit den vier Werken Strawinskis aus den Jahren 1927 (das Ballett "Apollon Musagète") bis 1960 ("Momentum pro Gesualdo di Venosa ad CD annum") ein von der Avanciertheit des 20. Jahrhunderts unverstelltes und damit dankbares Programm zusammengestellt haben. Gleichzeitig birgt soviel abgeschliffenes, oftmals asketisches Traditionsbewusstsein die Gefahr, dass die retrospektiv eingestellten Muster schnell in mechanisch abgehandelte Reißbrettkunst umschlagen. Da ist viel Fingerspitzengefühl im Umgang mit dem Verspielten und Spielerischen, mit der die Spannung zwischen Gestern und Heute hochhaltenden Balance gefragt.
Mit dem Stuttgarter Kammerorchester hat Dirigent Davies jedenfalls einen präzis agierenden Sachverwalter zur Hand, dem man zwar hier und da mehr duftende Leichtigkeit gewünscht hätte (Arioso im "Concerto in D"). Und den "Danses Concertantes" fehlt es zumindest an einer, wie aus der Spontaneität geborenen Frische, um dann allerdings in der "Scherzando"-Variation handfesten Charme zur Schau zu stellen. Auf der anderen Seite bietet gerade diese ausgleichende, nicht mit Nüchternheit zu verwechselnde Gangart die Möglichkeit, mehr durch die Hintertür zu agieren, als die altbekannten Klischees bis ins Varietéhafte auszuspielen. Das Lächeln im ernsthaften Antlitz, mit dem Strawinski im "Marche" der "Danses Concertantes" auf den Spuren Erik Saties wandelt, holt Davies da ohrenfällig heraus. Und selbst die alten Madrigale eines Gesualdo, die Strawinski für Bläser und Streicher instrumentierte, bohren sich nun sinnfällig derart in Körper und Geist ein, dass man Strawinskis Blicken zurück nach vorne beeindruckt folgt.

Guido Fischer, 30.04.2005



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