Responsive image
Ludwig van Beethoven

Sinfonien Nr. 3 u. 8

Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, Paavo Järvi

RCA/Sony BMG 82876-84518-2
(69 Min., 5/2006) 1 CD

Vater Neeme darf stolz auf seinen Sohn sein: In seiner Einspielung der dritten und achten Sinfonie mit der Deutschen Kammerphilharmonie meldet Paavo Järvi eindrucksvoll den Anspruch an, zu den großen Beethoven-Dirigenten der nächsten Jahrzehnte zu gehören. Denn Järvi hat, was vielen Dirigenten fehlt: eine Konsequenz in der Umsetzung seiner interpretatorischen Vorstellungen, die schon die scheinbar beliebige Kopplung zwingend mit innerer Logik füllt. Für Järvi ist die Achte sozusagen die verknappte Fortsetzung der Eroica, hier wie da macht er das gleiche motorische Prinzip aus. Die Tempi sind dementsprechend rasch, die rhythmischen Impulse besitzen eine fast maschinelle Trockenheit – gerade die Achte gewinnt durch Järvis schroff-lakonische Gangart einen nachgerade experimentellen Charakter und scheint bereits ins zwanzigste Jahrhundert vorauszuweisen. Dass dabei manche liebgewordene Beethoven-Konvention auf der Strecke bleibt, muss freilich in Kauf genommen werden: Romantisierende Versenkung (etwa im Trauermarsch der Eroica) oder gar Charme und Nach-Haydn’scher Witz, wie ihn der gemächlicher zu Werke gehende Rattle mit den Wiener Philharmonikern aus der Achten herauskitzelte, sind nicht Järvis Sache. Dass aus dieser ausgezeichneten Interpretation leider keine gute Aufnahme geworden ist, haben allerdings die Aufnahmetechniker verbockt: Im halligen, dynamische Kontraste nivellierenden Klangbild geht ein Gutteil von Järvis konstruktiver Sprödigkeit verloren, gerade die Holzbläser werden hoffnungslos untergebuttert. Jammerschade.

Jörg Königsdorf, 29.01.2007



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Wer hätte gedacht, dass Richard Strauss auch so schlank und kurzweilig komponieren konnte! Für alle, die bisher Strauss vor allem über den opulenten „Rosenkavalier“ oder seine klangprächtigen Tondichtungen wie „Till Eulenspiegel“ und „Don Quixote“ kennen gelernt haben, ist vielleicht die Bühnenmusik zu „Der Bürger als Edelmann“ eine wohltuend erfrischende Erfahrung. Das Projekt entstand aus dem absurden Plan heraus (ausgeheckt von Strauss und seinem Lieblings-Librettisten […] mehr »


Top