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Alessandro Scarlatti

Griselda

Dorothea Röschmann, Lawrence Zazzo, Bernarda Fink u.a., Akademie für Alte Musik Berlin, René Jacobs

harmonia mundi/helikon HMC 801 805.07
(182 Min., 11/2002) 3 CDs

Über 600 Kantaten hat Alessando Scarlatti, der Vater des großen Cembalo-Meisters Domenico, hinterlassen. Doch wie diese Fleißarbeiten steht Alessandros Opernschaffen immer noch etwas im Schatten all der Musiktheaterwerke, die diesseits der Alpen in Paris und London entstanden. Mit dem 1721 in Rom uraufgeführten Dramma per Musica "Griselda" ist nun zumindest ein glänzender Startschuss für eine überfällige Scarlatti-Renaissance gegeben worden. Was bei einem Dirigenten wie René Jacobs aber auch nicht verwundert. Immerhin kennt er das italienische Opernaufkommen von der Stunde Null an, gilt sein Monteverdi-Zyklus weiterhin als Maßstab. Und auch die Solisten sowie die Berliner Akademie für Alte Musik sind mehr auf die blühende Revitalisierung historischen Materials geeicht, als statt mit akademischem Besteck diese Gratwanderungen zwischen pastoraler Leichtigkeit und intensiven Stimmungsversdichtungen zu entzaubern.
"Griselda" - das ist die Geschichte um die Titelfigur, die von ihrem Gatten in spe, von dem König Gualtiero bis zum Happy-End auf so manche Probe gestellt wird. Scarlatti hat das mit reichlich harmonischem Raffinement, mit sakralen Einschüben und großzügiger Kantabilität ausgekleidet, ohne sich ganz auf genialischem Boden zu bewegen. Dafür besitzt so manche musikrhetorische Wendung eher fundamentale Funktion. Dass jedoch solche starren Momente eher die Ausnahme bleiben, ist eben einem Ensemble zu verdanken, das ganz nah am Herzensgeschehen ist. Dorothea Röschmann als Griselda besitzt wie gewohnt einen in den Farben und Emotionen expansionsfähigen Sopran; unangestrengt kann der Countertenor Lawrence Zazzo (Gualtiero) seine Attacken fahren und Klangschönheiten ausbreiten, während Bernarda Fink als Roberto glühende Ausrufungszeichen setzt.

Guido Fischer, 29.11.2003



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