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Domenico Scarlatti

Stabat mater

Concerto Italiano, Rinaldo Alessandrini

Opus 111/Harmonia Mundi 30248
(54 Min., 5/1999) 1 CD

Domenico Scarlattis "Stabat mater" ist keinesfalls ein gewöhnliches Stück aus dem reichhaltigen Fundus liturgischer Werke der Barockzeit, denn es lässt einen sofort aufhorchen: wegen der lediglich Continuo-begleiteten, ungewöhnlicherweise nicht in Doppelchörigkeit gegliederten Zehnstimmigkeit des Satzes und wegen der höchste Könnerschaft verratenen polyfonen Struktur auf der Basis ausdrucksstarker, eng an der Textaussage orientierter Motive. Ohne jeden Zweifel war hier einer der ganz großen Meister seines Fachs am Werk, und er schuf ein zeitlos schönes, sowohl an die Tradition anknüpfendes als auch ganz auf der Höhe seiner Zeit befindliches Stück geistlicher Musik, dass den Hörer in jedem Augenblick mitreißt.
Die Interpretation des Concerto italiano unter Leitung von Rinaldo Alessandrini tut ihr übriges dazu: Die Sänger agieren stets mit starkem Affekt und gestalten ihre Linien niemals standardisiert, sondern immer ganz individuell. Reine Klangschönheit ist dabei offenbar zwar erwünscht, wird aber nicht vordergründig erzwungen. Auf diese Weise kommt neben dem Affektgehalt auch die Polyfonie sehr gut zum Tragen. In dieser Hinsicht unterscheidet sich die Aufnahme grundsätzlich von zahlreichen anderen Produktionen Alter-Musik-Ensembles vor allem britischer Herkunft.
Sinnvoll ergänzt wird das "Stabat mater" durch eine vierstimmige Messe Scarlattis von ähnlich dichter Machart. Obwohl das Ensemble in der Messe etwas glatter und in größeren Bögen musiziert, bewährt sich auch hier die durch gut ausgearbeitete Artikulation in den Einzelstimmen zu Stande kommende Durchsichtigkeit der Vortragsweise, die stets den Blick auf die Satzstruktur frei hält.

Michael Wersin, 25.07.2002



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