Responsive image
Domenico Scarlatti

Kantaten

Max Emanuel Cencic, Aline Zylberajch u.a.

Capriccio/Delta Music 67 173
(66 Min., 6/2005) 1 CD, mit Porträt-DVD

Der Erfolg seiner 30 Essercizi für Cembalo hat die Perspektive auf Domenico Scarlatti schon zu seinen Lebzeiten eingeengt. Dass er weit mehr und anderes schrieb als schockweise Cembalosonaten, wird bis heute nicht wirklich zur Kenntnis genommen - trotz überredungsstarker Einspielungen wie beispielsweise Rinaldo Alessandrinis Aufnahme des "Stabat Mater". Auch der Countertenor Max Emanuel Cencic setzt sich nachhaltig für die ignorierte Seite Scarlattis ein und legt nunmehr bereits die zweite CD mit dessen am spanischen Hof geschriebenen Kantaten vor. Und prompt zeigt sich, dass der Erfindungsreichtum des Genies weit über die Tastatur hinausreicht: In ihrer expressiven Anschaulichkeit, in der Finesse der Affektausdeutung gehören diese Kantaten zum besten, was die Gattung zu bieten hat. Wie bei seinen Sonaten komponierte Scarlatti auch hier für Kenner - vielleicht für den ebenfalls am Madrider Hof engagierten Farinelli - und musste auf den Zeitgeschmack keine Rücksicht nehmen: Statt dessen stellt sich die Virtuosität ganz in den Dienst der Musik, werden Ornamente und Koloraturen nur als ausdruckserweiternde Mittel genutzt und mit der Vokallinie verschmolzen. Für diese Juwelen psychologisch-theatralischer Kammerkunst bringt Cencic nicht nur Stilsicherheit und ein sehr fantasievoll agierendes Begleitensemble, sondern auch eine breite Farbpalette und ein sinnliches, an Mezzosoprane erinnerndes Timbre mit: Statt der seraphischen Keuschheit seiner britischen Fachkollegen schwingt bei ihm immer der nötige Schuss Verruchtheit mit, der die Minidramen um enttäuschte Liebe und rasende Eifersucht erst glaubhaft macht. Und übrigens: 2007 ist Scarlatti-Jahr. Nicht nur für Cembalisten.

Jörg Königsdorf, 28.07.2006



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Wenn ein zeitgenössischer Komponist kommerziell erfolgreich ist, wird er oft misstrauisch beäugt. Wenn seine Musik auch noch für Laien interpretierbar ist, umso mehr. Eric Whitacre zum Beispiel: 1980 im amerikanische Nevada geboren, charismatisch, Chor-Guru. Er mobilisiert Massen mit seinen selbstkomponierten Liedern und wird in den USA als Komponist und Dirigent begeistert gefeiert, hat die dortigen Klassik-Charts schon früh erobert. Doch seine Chorsätze sind: einfach gut. Und greifen auf […] mehr »


Top