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Karol Szymanowski

Violinkonzerte Nr. 1 & Nr. 2, Drei Paganini-Capricen u.a.

Thomas Zehetmair, City of Birmingham Symphony Orchestra, Simon Rattle

EMI 5 55607 2
(65 Min.) 1 CD

Wie in einem Brennspiegel erscheinen die Tendenzen des ersten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts in der Musik Karol Szymanowskis zusammengefasst. Besonders gilt dies für die Werke seiner mittleren Schaffensperiode, zu denen auch das Erste Violinkonzert zählt. Die Tonalität ist bis an ihre Grenzen getrieben, doch nicht aufgelöst. Gelegentliche expressionistische Härten verbinden sich mit luxuriös schillernder Instrumentation und etwas süßlicher Melodik zu einer reizvollen, fast ein wenig dekadenten Klanglichkeit, die Parallelen zur Jugendstil-Ästhetik aufweist. Dass die verwirrende Vielfalt der kompositorischen Ingredienzen nicht in einem Stil-Mischmasch mündet, verrät Szymanowskis Meisterschaft.
Dennoch repräsentiert diese Musik einen Endpunkt, von dem aus eine Weiterentwicklung nicht mehr möglich erscheint, ohne die Tonalität aufzugeben. Szymanowski entschied sich statt dessen – ähnlich wie Strawinsky und Bartók – für eine fruchtbare Auseinandersetzung mit der Folklore seines Heimatlandes, wovon das Zweite Violinkonzert Zeugnis ablegt. Thomas Zehetmair lässt, unterstützt von Rattle, seinem Orchester und der hervorragenden Akustik der Birmingham Symphony Hall, die impressionistische Partitur des Ersten Konzerts leuchten, ohne jemals dick aufzutragen. Im Zweiten Konzert ist sein Zugriff, passend zur Musik, zwar rauher, musikantischer, aber trotzdem äußerst feinnervig. Mit dieser Aufnahme beweist Zehetmair erneut, dass er zu den führenden Geigern seiner Generation zählt.

Thomas Schulz, 30.06.1996



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