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Johannes Maria Staud

A Map Is Not The Territory, Bewegungen, Polyglon, Berenice u.a.

Thomas Larcher, Petra Hoffmann u.a., Klangforum Wien, Sylvain Cambreling

Kairos /helikon harmonia mundi 12392
(62 Min., 2/2002 - 7/2003) 1 CD

Bei den letztjährigen Tagen für neue Kammermusik in Witten kam es zu einer für zeitgenössische Komponisten durchaus ungewöhnlichen Situation. Noch während der Österreicher Johannes Maria Staud den Applaus für sein uraufgeführtes Werk "Berenice" entgegennahm, überreichte ihm ein weiblicher Fan mit sichtlicher Aufregung einen dicken Blumenstrauß. So viel Zuneigung gut und schön - aber sie galt doch da wohl weniger dem Künstler als vielmehr dem Menschen Staud, der dank seines Äußeren glatt bei einer Boygroup anheuern könnte. Mit seinen 30 Jahren hat Staud zwar noch die ganze Zukunft vor sich. Musikalisch hat er jedoch die Einflüsse seiner Lehrer Michael Jarrell und Hanspeter Kyburz bereits so sortiert und bearbeitet, dass seine Werke eine erstaunliche Fertigkeit und Intensität besitzen. Gleich fünf Kompositionen aus den Jahren 1998 - 2003 bilden auf der ihm jetzt gewidmeten und von erstklassigen Solisten verwalteten CD einen Ein- und Ausblick auf die prozessualen Schubkräfte Stauds, auf sein oftmals wie exzessiv wirkendes Vorantasten.
Gleichsam als beispielhaftes Navigationssystem durch die stets handfeste Klanglichkeit macht "A map is not the territory" für große Ensembles den Anfang. Es sind auf drei Sätze verteilte Studien über die oftmals auch unterschwellig daherkommenden Leerstellen zwischen sich zurückziehenden Mikrointervallen und selbstbewußt auftrumpfender Schneidigkeit. In diesen Spannungsverhältnissen pendeln sich auch die "Bewegungen" für Klavier solo sowie das Klavierkonzerstück "Polyglon" ein und aus. Das Mechanische, mit dem Staud eine gewaltige Kulisse hochfahren lässt, wechselt sich mit kontinuumsbrechenden Reduktionen ab, spiegelt dabei selbst die erratische Sprödigkeit unmittelbarer, elementarer Emphase wider. Und wie ist "Berenice" für Sopran, Ensemble und Tonband nach seiner Uraufführung in Witten gereift? Immer noch steht die abgedunkelte Aura dieses Teilstücks einer geplanten Edgar Allen-Oper (Libretto: Durs Grünbein) für den Versuch, die Nach-Moderne neu zu konzipieren. Eingelöst hat das Staud da eher schon mit seinen früheren Werken. Dafür gibt es auch Blumen.

Guido Fischer, 17.04.2004



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