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Ludwig van Beethoven

Klaviersonaten op. 2

Michael Korstick

Oehms Classics OC 615
(75 Min., 12/2005) 1 CD

Seine viel gepriesene Aufnahme der Diabellivariationen im vergangenen Jahr hat Michael Korstick in der kleinen Spitzengruppe der Beethoveninterpreten etabliert: Endlich wieder ein Pianist, so der Unisonostoßseufzer der Kritik, der dem Kosmos des Beethoven’schen Klavierwerks nicht nur pianistisch, sondern auch intellektuell gewachsen zu sein scheint. Die Aufnahme der Sonaten op. 2, die nun die erste Etappe einer Gesamteinspielung für Oehms Classic bildet, bestätigt eindrucksvoll diese Grundqualitäten: Auch bei rasantesten Tempi spielt Korstick blitzsauber, bleibt der Klaviersatz so transparent, dass man jedes Sechzehntel hört. Zugleich aber besitzt Korsticks Beethoven eine formale Stringenz und Schnörkellosigkeit, die vorteilhaft gegenüber der bisweilen manierierten Detailschau seines derzeit wichtigsten Konkurrenten András Schiff absticht. Das ist viel, aber dennoch nicht alles: Denn gerade in den spielerischen Frühwerken zeigt sich, was Korstick fehlt: Alle dolce- und espressivo-Stellen klingen vergleichsweise lakonisch. Wo das Klavier anfangen müsste zu singen, bleibt Korstick allzu schmallippig – dem langsamen Satz von op. 2 Nr. 3 etwa kann er nicht den großen Atem einhauchen, der die Musik hier erst aufblühen ließe. Korsticks Spiel hat Sinn, aber keine Sinnlichkeit, geschweige denn Spielwitz: Die häufigen überraschenden Lautstärkewechsel beispielsweise besitzen nur einen begrenzten Spaßfaktor – da hatte ein Alfred Brendel mehr Humor.

Jörg Königsdorf, 02.03.2007



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