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Ignaz Pleyel

Streichquartette op. 2, Nr. 1 - 3

Enso Quartett

Naxos 8.55 7496
(55 Min., 1/2004 - 2/2004) 1 CD

Knapp ein halbes Hundert Streichquartette hat Ignaz Pleyel komponiert. Mehr als Mozart und Beethoven zusammen. Doch immer noch um einiges entfernt von den Vielschreibern für diese Gattung, von seinem Lehrer Haydn und natürlich von Luigi Boccherini. In die Ruhmeshalle oder gar in die breite Öffentlichkeit hat es Pleyel mit seiner Fleißarbeit, ähnlich wie das One-Hit-Wonder Boccherini, dennoch nicht geschafft. Dabei sind allein die frühen Streichquartette des gebürtigen Braunschweigers absolut konkurrenzfähig, was die Balance zwischen spontan ausmusizierter Ausdrucksfülle, harmonischem Reichtum und dem Ausformulieren kompositorisch fruchtbarer Ideen angeht. Anlässlich der sechs Streichquartette op. 2, die 1784 veröffentlicht wurden, prognostizierte immerhin Mozart, dass Pleyel irgendwann "an die Stelle Haydns treten wird können". Ein großes Wort zwar, das seitdem leider in Vergessenheit geraten ist. Mit dem amerikanischen Enso Quartett könnte aber nun endlich eine neue Zeitrechnung für den Kammermusik-Komponisten Pleyel beginnen, steht die Einspielung der ersten drei Opera von Opus 2 exemplarisch für die sinnlichen Entfaltungsmöglichkeiten sowie finger- und bogentechnische Perfektion dieses noch jungen Ensembles.
In den Haydn zugedachten, dreisätzigen Quartetten spiegelt sich eine souveräne Gestaltungskraft eines 20-Jährigen wider, der genau wusste, wie man überbordende Lebendigkeit und fidele Leichtigkeit doch vor divertimentohafter Volkstümelei schützt (1. Satz, op. 2, 1). Und besonders in den langsamen Sätzen (das 3. Quartett wird von einem Adagio mit einem fast schauerlich Schubert´schen Tonfall eröffnet), gibt es Stimmungswechsel von zart bis chromatisch schattiert, bei denen man einfach in den Bann gezogen wird. Einen Wermutstropfen gibt es aber doch: Auf der CD fehlt jeglicher Hinweis, dass die Aufnahme der Startschuss für eine Gesamteinspielung wäre. Was aber nicht geplant war, lässt sich glücklicherweise ja noch überdenken.

Guido Fischer, 04.03.2006



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