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Igor Strawinski

Le sacre du printemps, Symphony In 3 Movements

Bamberger Symphoniker, Jonathan Nott

Tudor/SunnyMoon 7145
(57 Min., 2005, 2006) 1 CD

Wenn die Moderne es in den Orchesteralltag geschafft hat, dann hat sie es auch Strawinskis "Le Sacre du Printemps" zu verdanken. Landauf, landab wagt man sich an dieses grelle, faszinierend widerborstige und in seiner attackierenden Dramatik überkochende Meisterwerk. Und nahezu jeder ambitionierte Klangkörper will es zumindest einmal im Aufnahmestudio wissen, ob man diesem Dauerbelastungstest wirklich gewachsen ist. Dass die Bamberger Symphoniker das schaffen würden, stand aber eigentlich schon vorher fest. Zumal ihnen seit Jahren mit Jonathan Nott hauptamtlich ein Anwalt für die selbst anspruchsvollsten wie schwierigsten Musikfälle des 20. Jahrhunderts vorsteht. Das Hektische und motorisch Furiose bricht somit mit einer bewundernswerten Genauigkeit durch, und es werden die ständigen Wechsel in Rhythmus und Dynamik (Tanz der jungen Mädchen) klar nachgezeichnet.
Doch dieser Klassiker will andererseits nicht allein durch den musikantisch bestmöglichen Vollzug bestehen. Das Schockierende, das Provozierende und urwüchsig Fremde sollte als innerer Motor zu spüren sein. Daran lassen es die Bamberger Symphoniker aber ein wenig mangeln, man folgt hier einer abgeklärten, zudem das Episodische als den großen Wurf im Auge habenden Ausrichtung, die schon vor über 20 Jahren Claudio Abbado mit dem London Symphony Orchestra eingeschlagen hatte. Umso verblüffter ist man hingegen, wie plötzlich die ebenfalls beliebte Sinfonie in drei Sätzen daherkommt. Weniger auf die neoklassizistischen Flirts hat man Wert gelegt als vielmehr auf die verblüffenden Visionen, die der Wahlamerikaner Strawinski 1946 hatte. Als er da mit Minimalismus und West Side Story-Verve zwei Erfolgsrezepte der Musik in der Neuen Welt vorauszuahnen schien.

Guido Fischer, 04.01.2008



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