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Joseph Canteloube

Chants d'Auvergne

Véronique Gens (Sopran), Nationalorchester Lille, Jean-Claude Casadesus

Naxos 8.55 7491
(61 Min., 7/2004) 1 CD

Die rauhe Vulkanlandschaft der Auvergne hat sich erst vor einem Vierteljahrhundert geöffnet. Heute zeigen in der Auvergne tagsüber vor allem Kajak- und Kanu-Artisten, was in ihnen steckt - um sich abends durch schwere Charcuterie und deftige Terrinen zu schlemmen. Einer, der vor hundert Jahren immerhin eine Route in die entgegengesetzte Richtung aus dem Zentralmassiv heraus entdeckte, war Joseph Canteloube (1879-1957). In Paris angekommen, studierte er bei Vincent d'Indy Kontrapunkt. Doch trotz zahlreicher Orchester- und Kammermusik-Werke sowie dreier Opern ist Canteloube der Nachwelt nur dank seiner "Chants d'Auvergne" im Gedächtnis geblieben. Diese Orchester-Arrangements von alten Volksliedern, an denen Generationen von Hochleistungssängerinnen wie Victoria de los Angeles und Dawn Upshaw Geschmack gefunden haben. Véronique Gens macht da keine Ausnahme. Zumal sie mit dem halb lateinischen, halb keltischen Dialekt ihrer Heimat bestens vertraut ist.
Allein deshalb kann man daher auch schon fast von einer authentischen Einspielung der 21 ausgewählten Lieder sprechen. Zudem erliegt Gens im Gegensatz zu ihren Kolleginnen nicht einfach dem reinen, klangschönen Zauber, den Canteloube mit reichlich impressionistischem Dekor ausgeschmückt hat. Die melancholischen Balladen besitzen bei ihr eine zarte Bitterkeit bis hin zum Herben. Während in den ausgelassenen Tanz-Liedern das Parkett zackig bearbeitet wird und sich plötzlich Dudelsack und Drehleiern unter das in allen Tonlagen bewegliche Orchestre National de Lille zu mischen scheinen - als ob sich in grauer Vorzeit irische Troubadoure in diese Region verirrt hätten. Doch was wären diese populären, hier nun jeden Kitsch hinter sich lassenden Stimmungslieder ohne die pastoralen Momentaufnahmen von gemächlich dahinfließenden Bächen und vom Herzklopfen eines Schäfers - der in Véronique Gens garantiert seine langersehnte Schäferin gefunden hätte.

Guido Fischer, 01.03.2005



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