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Giacomo Carissimi, Lelio Colista, Girolamo Frescobaldi

Historia di Jephte u.a.

Le Parlement de Musique, Martin Gester

Opus 111/helikon harmonia mundi ops 30296
(63 Min., 10/2000) 1 CD

Lebendige Musikgeschichte: Wer über die heute einschlägig bekannten oratorischen Werke Händels oder Bachs hinaus in die fernere Vergangenheit blicken und die Vorformen kennen lernen möchte, der findet auf dieser CD reichlich "Anschauungsmaterial", das selbstverständlich auch für sich genommen einen ganz eigenen Reiz entwickelt. Umfangreichstes Werk des Programms ist Giacomo Carissimis "Jephte", eine motettisch-rezitativische Vertonung jenes alttestamentarischen Stoffes aus dem Buch Richter, der vom Kindesopfer des Gileaditischen Helden Jiftach (Jephte) handelt: Er hatte Jahwe im Falle eines Sieges über die Ammoniter den ersten Menschen zum Opfer versprochen, der ihm nach seiner Rückkehr in der Tür seines Hauses entgegen kommt. Tatsächlich handelt es sich dabei dann um seine einzige Tochter. Die Vertonung dieses Stoffes erfolgte für Gesangssolisten und Basso Continuo. Die wörtliche Rede einschließlich der Erzähler-Partie ist im Stile recitativo gesetzt, und dazwischen treten die Solisten immer wieder zum Vokalensemble zusammen. Das Werk mündet in eine ergreifende, dissonanzenreiche Klage der Kinder Israels über das Schicksal von Jiftachs Tochter.
Zwei weitere oratorische Werke Carissimis, die inhaltlich aufeinander Bezug nehmen, umrahmen das Programm dieser CD: "Damnatorum lamentatio" und "Felicitas beatorum", eine Klage der Verdammten und eine “Glückseligkeit der Glückseligen” also. Hinzu kommen zwei “Sinfonie” für zwei Violinen und Basso Continuo von Lelio Colista und eine Orgelpartita von Girolamo Frescobaldi, Stücke, wie sie oratorische Aufführungen jener Zeit flankiert haben. Eine Solo- und eine Duett-Motette von Frescobaldi bereichern außerdem das Repertoire. Vielfalt, musikalisch-rhetorische Prägnanz und Klangsinnigkeit dieser faszinierenden Stücke werden unmittelbar zum Vorschein gebracht mittels der flexibel-lebhaften Interpretation auf gutem bis sehr gutem sängerischen und durchgängig sehr hohem instrumentalen Niveau durch "Le Parlement de musique" unter Leitung von Martin Gester. Schon die reichhaltige Besetzung der Continuo-Parts mit Tasteninstrumenten, Harfe und Theorbe sorgt für erheblichen Wohlklang; nicht minder tun dies die hervorragend gespielten Violinen. Eine ausgesprochen erfreuliche Neuerscheinung!

Michael Wersin, 26.07.2003



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