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Elliott Carter

What Next?, Asko Concerto

Sarah Leonard, Valdine Anderson, Hilary Summers u.a., Niederländisches Rundfunk-Kammerorchester, Peter Eötvös

ECM/Universal 472 188 2
(52 Min., 9/2000) 1 CD

Ein wuchtiger Knall. Und aus dem Schlagwerk springen Federn, scheinen Radkappen zwischen den Musikern zu kullern und irgendwo Kühlwasser zu verdämpfen. In nur wenigen Eröffnungstakten ist der der Autounfall passiert, der fünf Erwachsenen und einem Kind auf ihrem Weg zu einer Hochzeit zustößt. Unverletzt sind sie alle. Zumindest äußerlich. In den Monologen jedoch wechseln sich Erinnerungen mit Vorwürfen ab, die sich nach und nach zu bedrängenden Sextetten verketten. "Ein Konversationsstück" nennt der Amerikaner Elliott Carter seine erste Oper "What Next?", die Daniel Barenboim 1999 an der Berliner Staatsoper uraufführte. Doch der Untertitel ist eine glatte Untertreibung. Denn mit seinem Librettisten Paul Griffiths hat Carter eine Kammeroper von gerade einmal 40 Minuten Spielzeit komponiert, in der die Nervenstränge und Blutbahnen unter klanglich extremen Bedingungen gespannt werden.
Carter, dieser mit seinen 95 Jahren auch im Wortsinne Jahrhundertkomponist, hat dafür eher mit Farbpigmenten gearbeitet, als dass er ausgiebig an der dynamischen Spirale gedreht hätte. Erinnert der assoziative, vielgliedrig-perkussive Einstieg in "What Next?" noch von Ferne an die maschinenhafte Suggestivität von Edgar Varèse, sind es viele, kleine Klanginseln, die Carter nun miteinander vernetzt. Stockende Streicher und fragmentarisches Melos in den Holz-Bläsern, abgedunkelte Trompeten-Signale und mächtige Intervalle in den vokalen Parts markieren einen musiktheatralischen Gestus, der dauerglüht. Und den Dirigent Peter Eötvös mit dem Niederländischen Radio-Sinfonieorchester sogar selbst in dem Asko-Concerto fortsetzen konnte, das Carter im Jahr 2000 dem gleichnamigen Asko-Ensemble exklusiv auf den Leib geschneidert hatte.

Guido Fischer, 24.01.2004



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