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Marc-Antoine Charpentier

Te Deum, Grand office des morts

Olga Pitarch, Orlanda Velez Isidro, Paul Agnew, Marc Mauillon, Bertrand Bontoux u.a., Les Arts Florissants, William Christie

Virgin/EMI 545 733-2
(79 Min., 9/2004) 1 CD

Marc-Antoine Charpentier war mit seinen 400 Motetten und 11 Messen, mit seinen Schauspielmusiken und der "Médée"-Oper nicht nur ein fleißiger Zeitgenosse von Jean-Baptiste Lully. Charpentier hörte auch über die französischen Grenzen hinaus und vor allem dort hinein, wo Palestrina der Sakralmusik den Stempel aufgedrückt hat: Rom. Das streng Polyphone konzertant und mit großem Aufgebot an Instrumentalisten und Vokalisten aufblühen zu lassen - das wurde so Charpentiers maßgeblicher Beitrag zur Musik des 17. Jahrhunderts. Leider ist das bis heute bei den meisten Alte-Musik-Spezialisten nicht entsprechend berücksichtigt worden. Jeder Zweite stürzt sich immer noch und ausschließlich auf Charpentiers Huldigungs-Reißer "Te Deum" inkl. der Euro-Fanfare. Auch William Christie stellt dieses Meisterwerk mit all seinem Trompeten-Glanz und Chor-Gloria an den Anfang seiner Charpentier-Aufnahme. Um einerseits mit einem stimmlich wie stilistisch homogenen Solistenensemble für eine sinnenfrohe und zugleich brillant tiefengestaffelte Prachtentfaltung zu sorgen.
Auf dieses Himmel-Hoch-Jauchzen lässt Christie, der eben nicht "jeder Zweite" ist, dann drei Totenmessen sowie ein "Dies Irae" folgen, in denen das Beklemmende, das Spannungsgeflecht zwischen Erbarmen und Erlösung innig und luftig zugleich realisiert werden. Da besitzt ein "Liber scriptus" Bach'sche Anmut, sind polyphon gesetzte Chor-Sätze würdevoll und wie von Zauberhand gestaltet. Und was für ein barocker Marche Funèbre ist das Eingangs-"Dies Irae" von "Prose des morts" mit seinen Blechbläsern! Soviel dramatisch-dämonisches Dunkel sollten später nur noch Mozart und Verdi hinbekommen.

Guido Fischer, 23.12.2005



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