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Marc-Antoine Charpentier

Te Deum (H. 416), Messe pour plusieurs instruments (H. 513)

Chœur de Chambre de Namur, Les Agrémens, Ensemble La Fenice, Jean Tubéry

Ricercar/Note 1 RIC 245
(79 Min., 9/2004) 1 CD

Wahrlich eine fetzige Aufnahme des berühmten "Te Deum" von Charpentier (tatsächlich nur eines von vielen aus der Feder des französischen Barockmeisters) gelang Jean Tubéry und seinen am französischen Barock umfassend erprobten Ensembles. Höchst elegant und federnd schon die instrumentale Einleitung, die das Werk so populär gemacht hat, edel und viel weniger polterig als etwa bei Christie dann das unmittelbar folgende Basssolo (interpretiert von Jean-Claude Sarragosse). Gleichermaßen erfreulich geht es weiter: Reibungsfrei das Zusammenspiel von Grand Choeur, Petit Choeur und Solisten, wie aus einer Hand die Continuoebene in perfekter Kongruenz, geschmackvoll (niemals überladen) die Aussetzung der Generalbassstimme. Wird diese Musik so kompetent, so stilsicher dargeboten, sind keine größeren "interpretatorischen" Anstrengungen mehr nötig - ja gar nicht sinnvoll -, um den Text angemessen zur Geltung zu bringen: Hierfür kann man sich, wenn die Rahmenbedingungen stimmen, völlig auf Charpentiers diesbezügliches Können als Komponist verlassen.
Ein Kuriosum ist die mitgelieferte "Messe pour plusieurs instruments au lieu des orgues": Hierbei handelt es sich um eine typische Alternatim-Messe der Zeit, bei der gregorianischer Gesang und Orgelversetten, welche jeden zweiten gregorianischen Vers bzw. Abschnitt ersetzen, einander abwechseln. Das Problem im konkreten Fall: In Notre Dame de la Mercy, einer Pariser Ordenskirche, war zum Aufführungstermin im April 1674 die Orgel nicht fertig geworden. Was blieb Charpentier anderes übrig, als die Versetten für eine Streicher- und Bläserbesetzung zu komponieren? Er tat dies auf sehr differenzierte und kreative Weise.
Jedes der beiden Werke weist in der vorliegenden Einspielung außerdem eine instrumententechnische Besonderheit auf: Der Trompetenpart des "Te Deum" wurde, so steht es im Beiheft, erstmals auf einer echten Barocktrompete ohne zusätzliche Grifflöcher ausgeführt, und für die Messe hat man eigens ein rätselhaftes Oboeninstrument, das in der Partitur als Cromorne bezeichnet ist, aber wegen des in Anspruch genommenen Tonumfangs kein Krummhorn sein kann, bauen lassen.

Michael Wersin, 01.09.2006



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