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Ernest Chausson, Henri Duparc, Maurice Ravel

Poème de l'Amour et de la Mer, Shéhérazade u. a.

Felicity Lott (Sopran), Orchestre de la Suisse Romande, Armin Jordan

Aeon/helikon harmonia mundi 0314
(60 Min., 8/2001, 10/2002) 1 CD

Der Strudel der großen Gefühle, die Musik gewordene Traumlandschaft als Trostpflaster - ab Mitte des 19. Jahrhunderts folgte sogar so mancher Komponist Frankreichs aus der Distanz den literarischen Phantasien eines Baudelaires, der gehörig mit den steinernen Stadtfluchten von Paris abrechnete. Wenngleich Ernest Chausson und Henri Duparc sich nicht ins Groteske stürzten, sondern sie den Wagner-Einfluss in ihren luftigen und doch stets hochempfindsam angelegten Klangfarbenkleidern einarbeiteten. Und Maurice Ravel verließ - wie Debussy - schon mal sein altbekanntes Europa, um in asiatische und orientalische Märchen einzutauchen. Drei Ergebnisse dieser künstlerischen Fluchtversuche aus der Alltagswelt hat nun Felicity Lott zusammengestellt. Mit drei Liederzyklen für Orchester, in denen das vokale und sinfonische Geflecht dafür sorgt, dass das Gemütsthermometer auch über Jahrhunderte später anschlägt.
Ausladene Phantasien sind die Tonpoeme von Chausson, Duparc und Ravel, ist ihr Klang-Parfüm dabei naturbelassen, aber dennoch voll der verlockenden Düfte. Chausson macht aus dem dreiteiligen "Poème de l'Amour et de la Mer" zunächst einen Spaziergang am Meer, dessen sanfter Wellengang für hochromantischen Zauber sorgt. Und der in ein orchestrales Drängen umschlägt, das nur einen zerschlagenen Seelenspiegel zurücklässt. In einem ähnlichen Wechselspiel zwischen Hoffnung und Resignation bewegen sich die drei "Mélodies" von Duparc u. a. auf ein Baudelaire-Gedicht, während Ravels "Shéhérazade" großzügig an reinigenden Harmonien, exotischer Motivik und Pastoral-Beschwörungen ist. So sehr sich die Werke in ihrer Suggestivität, in ihrer polaren Spannung zwischen Mystik und Realismus überschneiden, so bringt Felicity Lott den jeweiligen Eigenwert mit ungeheurer Leichtigkeit und stimmlich affektlos agierenden Selbstverständlichkeit hautnah. Was nicht zuletzt daran liegt, dass die Engländerin Lott als omnipräsenter Star auf den französischen Opernbühnen nicht nur diese musikalische Sprache wie aus einem Guss beherrscht.

Guido Fischer, 28.02.2004



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