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Luigi Cherubini

Requiem c-Moll

Boston Baroque, Martin Pearlman

Telarc/Inakustik 080658
(50 Min., 5/2006) 1 CD

Mit seinem ersten Requiem in c-Moll, fertiggestellt im Jahre 1816, schuf der Wahlfranzose Luigi Cherubini eines der feinsten und homogensten Exemplare dieser liturgischen Gattung in sinfonischer Klanggestalt, in der Requiems erst seit François-Joseph Gossecs Überraschungswerk aus dem Jahre 1760 komponiert zu werden pflegten. Dazwischen liegen einige prominente österreichische Versionen u. a. von Mozart, Eybler und M. Haydn, die Cherubini zumindest teilweise sicher zur Kenntnis genommen hat. Und so gelang ihm im Spannungsfeld zwischen neuerer sinfonischer Schreibweise und Stile-antico-Polyphonie ein wundervoll homogenes Werk, das weder auf wohl gesetzte plakative Effekte (man denke an den furchterregenden Tam-Tam-Schlag am Beginn des "Dies irae") noch auf Fugenkünste verzichtet, zusätzlich aber über große Strecken sich einer Melos-getragenen Schlichtheit bei dezent und sparsam zum Einsatz gebrachten Aufführungsapparat (ohne Gesangssolisten!) befleißigt, die ihre Wirkung nicht verfehlt: U.a. Ludwig van Beethoven hat das Werk sehr geschätzt.
Die ruhig-friedvollen, entspannten Passagen gelingen in der vorliegenden amerikanischen Neuaufnahme unter Verwendung historischer Elemente besonders gut: Oberstimmig-homophoner Chorsatz kommt im unteren dynamischen Bereich in seiner ganzen Delikatesse zur Geltung. Wenn sich das Geschehen polyphon auffächert oder größere vokale Kraftentfaltung gefordert ist, fehlt es der eigentlich angenehm klein besetzten Sängerschar (etwas mehr als 20 Mitwirkende) des Boston Baroque hingegen hin und wieder an stimmlich-deklamatorischer Prägnanz; auch trüben Intonationsschwächen an einigen Stellen das ansonsten sehr homogene Klangbild. Von hoher Qualität ist der instrumentale Klangkörper des Ensembles. Ohne die genannten kleinen Schwächen hätte Martin Pearlman leicht eine neue Belegaufnahme des Werks produzieren können, denn er bietet eine gründlich durchdachte und mit großer Sorgfalt angelegte Umsetzung der Partitur. Aber ohne wirklich restlos überzeugenden Gesang geht’s halt nicht: Es bleiben leider ein paar Wünsche offen.

Michael Wersin, 19.05.2007



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