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Hans Otte

Das Buch der Klänge, Stundenbuch, Face à Face

Hans Otte

Celestial Harmonies/Naxos 11069-2
(91 Min., 1965, 1982, 1999) 2 CDs

Komposition hat er bei Paul Hindemith studiert. Und bei Walter Gieseking bekam er als Pianist den Feinschliff. Hans Otte schaffte es aber weder in den weiten Zirkel der Neuen Musik, noch schlug er eine Solistenkarriere ein. Der in Sachsen geborene Otte, der am 3. Dezember 2006 seinen 80. Geburtstag feiern konnte, sollte sich seine Meriten vielmehr als Musikchef bei Radio Bremen verdienen. Mit den inzwischen eingestellten Festivals "pro musica nova" und "pro musica antiqua" sorgte er in der Hansestadt für einen musikalisch frischen Wind, der auch international viel beachtet wurde. Bei aller Schreibtischarbeit juckte es Otte dennoch in den Fingern, kehrte er immer wieder ans Notenblatt und an die Tastatur zurück. Im Gegensatz zum auf Fortschritt geeichten Materialstand europäischer Prägung schlug er sich jedoch spätestens mit seinen Klavierzyklen "Das Buch der Klänge" (1979-82) und "Stundenbuch" (1991-98) auf die Seite der poetischen Reduktion "Made in USA". Statt dreidimensionaler Komplexität mit etwaigen gemeinen Fußangeln begegnet man so einem minimalistisch geprägten Prozesscharakter von Klangzuständen, die bisweilen eine buddhistische Spiritualität erreichen. Die von Otte über die Jahre eingespielten Aufnahmen dieser in seinem Schaffen zentralen Klavierwerke besitzen nun allein einen authentischen Charakter, weil er als Interpret jegliche Tonregung und Dosierungen der dynamisch an- und abschwellenden Linienführungen mit entsprechender Noblesse, Ruhe, Klarheit und Schönheit umsetzt. Dass dabei die kompositorischen Finessen schon mal von einer phasen- und phrasenhaften Formelhaftigkeit à la Steve Reich abgelöst werden, bildet da besonders im "Buch der Klänge" glücklicherweise nicht allzu oft ein Gegengewicht zu den durchaus variantenreichen Erlebniswerten. Und selbst die 48, rund einminütigen Miniaturen im "Stundenbuch" entpuppen sich hier bei aller Askese nicht als gedankenverlorene Notate, sondern warten mit harmonisch subtil ausgelegten Zündplättchen auf, um das Ohr wach zu halten. Als Bonbon gibt es zudem die Einspielung "Face à Face" von 1965, bei der Otte im Dialog mit einem Zuspielband die Innenspannungen seines Instruments derart mit experimentellem Zug und körperlichem Einsatz angeht, dass man glatt Zeuge von einem Minidrama ohne Worte wird.

Guido Fischer, 02.02.2007



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