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Jean-Henry d'Anglebert

Pièces de clavecin & airs d´après de Lully

Céline Frisch, Café Zimmermann

Alpha/Note 1 ALPH 074
(116 Min., 7/2004, 8/2004) 2 CDs

Jean-Henry D´Anglebert war in der Blüte seines Lebens nicht nur Haus- und Hofcembalist von Ludwig XIV. Er hatte zudem einen allerbesten Draht zum Meister aller klangvollen Zeremonienklassen, zu Jean-Baptiste Lully. Und so erwies D´Anglebert - wenn er nicht gerade die Klassizismus-Debatte des Cembalo-Spiels mit eigenen Suiten etwas auflockerte - Lully öfters eine Referenz. Mit Transkriptionen von Opern- und Ballettsätzen Lullys. Womit D´Anglebert übrigens nicht allein stand. Wie das Booklet zu dem jetzt ermöglichten Dialog zwischen D´Anglebert und Lully aufklärt, kursierten von weiteren Zeitgenossen sage und schreibe über 400 Transkriptionen von rund 220 Lully-Sätzen. Was den Florentiner zum bestvertretenden Komponisten in der gesamten französischen Cembalo-Literatur macht - obwohl er selber nie eine Originalnote für das Clavecin geschrieben hat.
Aber auch in den Fassungen D´Angleberts können sich die Ouvertüren, Chaconnes und Air mehr als nur hören lassen. Zumal man jetzt den direkten Vergleich ziehen kann. Während auf CD Nr. 1 die Cembalistin Céline Frisch eine repräsentative Auswahl der Arrangements D´Angleberts getroffen und mit aller Frische und Variabilität aufgenommen hat, gibt es auf der zweiten CD die Originalfassungen mit dem Ensemble Café Zimmermann. Was für eine körperreiche Eleganz und prachtvolle Noblesse D´Anglebert beherrschte, gilt dann wie erwartet auch für Lullys orchestralen Elan und Tiefgang. Und aus beiden wird in diesen exzellenten, die historische Aufführungspraxis mit aller Transparenz und Geistesgegenwart in die lebendige Tat umsetzenden Einspielungen eine musikalische Männerfreundschaft, die einen auch nach über drei Jahrhunderten noch um den Finger wickeln kann.

Guido Fischer, 15.10.2005



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