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Guillaume IX d'Aquitaine

Les chansons du Comte de Potiers

Brice Duisit (Gesang und Fidel)

Alpha/Note 1, α 505
(55 Min., 5/2002) 1 CD

Die Lieder-Anthologie "Proensa" von Paul Hillier vor nun auch schon 14 Jahren war epochal und ernüchternd zugleich. Denn erstmals schaffte Hillier es, das verloren gegangene Erbe der französischen Troubadours nicht nur anhand von zeitgenössischen Manuskripten virtuell zu rekonstruieren. Mit den Chansons der Bernart de Ventadorn, Peire Vidal und des ersten Troubadours Guillaume IX (1071 - 1127) brachte Hillier erstmals die musikalische Kräfte des Mittelalters in ihrer magisch reduzierten Schönheit zum wirklichen Leben. Das haben seitdem zwar zahllose Alte-Musik-Experten wie Joel Cohen auch versucht. Doch erst der französische Sänger Brice Duisit hat nach einer Unmenge der bloß musikhistorischen Verkleidungen jetzt mal wieder den Kern getroffen.
Gewidmet ist sein Recital, bei dem sich Duisit auf der Fidel begleitet, ganz dem mächtigen Herzog von Poitiers Guillaume IX D'Aquitaine. Und dessen Enkelin Eleonore am Rad der Weltpolitik im alten Europa noch kräftiger mitdrehen sollte. Aus der Feder dieses kunstbeflissenen Genussmenschen Guillaume stammen die elf Chansons, für die Buisit ein Klang-Vokabular gefunden und arrangiert hat, das eine erstaunliche Intensität, eine unmittelbare Energie verströmt. Duisits deklamatorischer Sprechgesang entdeckt so im Provenzialischen eine melodische Geschmeidigkeit, mit der er wundersame Balladen gestaltet. Dann wieder kreuzt er seine springende Fidel mit aufgeregten Liebesbekenntnissen. Nach Paul Hilliers "Proensa" ist das klingende Mittelalter Frankreichs so nicht mehr graue Theorie, sondern endlich wieder frisch erblüht.

Guido Fischer, 06.09.2003



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